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Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie, von Anfang des Neuen Testaments biß auff das Jahr Christi 1688. 4 Teile in 2 Bänden. 11 Bl., 422 S.; 728 (recte 720) S., 26 Bl.; 4 Bl., 284 S.; 848 S., 26 Bl. Folio. Pergamentbde d. Z. (bestoßen, leicht wellig und etwas gedunkelt) mit Rückentitel auf farbigem Grund (eine Filete durchgeprägt).
Frankfurt/M., Thomas Fritsch, 1699-1700. - Erste vollständige Ausgabe der beeindruckenden Dokumentation freien Denkens und von Beispielen der Emanzipation von dogmatischen Strukturen. Die Bände 1 und 2 in der in sich selbständigen Erstausgabe von 1699, die Bände 3 und 4, die mit der Neuauflage der Bände 1 und 2, Leipzig 1700, erschienen, hier passend auch im Frankfurter Druck. Zum ersten Mal wird hier der Verlauf der Kirchengeschichte nicht mehr einseitig vom Standpunkt des Siegers aus geschildert, der kurzerhand die Herrschenden als die rechtgläubigen Christen bezeichnet und die Unterlegenen als Ketzer verabscheut. Das Werk ist eine bahnbrechende enzyklopädische Gesamtdarstellung der zahlreichen verachteten und verfolgten christlichen Sekten Europas, der Armenier, Böhmianer, Cartesianer, Jansenisten, Quäker, Rosenkreuzer, Labadisten u.v.a.m. Das Werk wurde von vielen Seiten gelobt, aber noch heftiger angegriffen. Thomasius bezeichnete es als das nützlichste Buch nach der Bibel, aber selbst ein Mann wie Spener weigerte sich, es auch nur aufzuschlagen. Arnold "setzte das Christentum, ohne Unterschied der Religion, in der Liebe; hielt geradezu die sogenannten Orthodoxen für herrschsüchtige Verfolger; dagegen redete er den Ketzern, als unschuldigen und unglücklichen Leuten, oder gar als Zeugen der Wahrheit überall das Wort. Vor seinem Tode wünschte er noch das Buch von der göttlichen Weisheit nicht – und der Kirchen- und Ketzer-Historie mit mehrerer Vorsicht geschrieben zu haben" (Hirsching, Histor.-lit. Handbuch I, 1794). "Das bedeutendste, ja das einzig bedeutende Literaturwerk des deutschen Pietismus, . eine wohlberechnete Parteischrift. Die Unterdrückten und Verfolgten nahmen es mit Jubel und Begeisterung auf, die angegriffenen Zionswächter der kirchlichen Rechtgläubigkeit mit tobender Wut . Es bezeichnet einen höchst wichtigen Fortschritt in der Geschichte der deutschen Geschichtsschreibung . Arnolds Ketzerhistorie ist der Zeit nach das erste deutsche Geschichtswerk. Wie bezeichnend, daß die deutsche Geschichtsschreibung mit der Kirchengeschichte begann und sodann Winckelmann das vollendete Muster der Kunstgeschichte aufstellte, bevor noch die politische Geschichte die leiseste Ahnung ihrer Aufgabe und wissenschaftlichen Behandlung hatte!" (Hettner). Besonders bedeutend ist das Werk bis heute als wertvolle Informationsquelle über zahlreiche Persönlichkeiten, von denen sonst kaum Nachrichten auffindbar sind. So enthält es Aufzeichnungen, Berichte oder Selbstzeugnisse von Peter Moritz, Paul Felgenhauer, Johann Greulich, Anna Vetterin und Quirinus Kuhlmann, Johann Roth, Esaias Stiefel u.v.a. Sie "sind ein beredtes Zeugnis für den tiefen Enthusiasmus jener verlorenen Schafe. Die meisten Selbstzeugnisse dieser Art sind natürlich Verteidigungs- beziehungsweise Rechtfertigungsschriften . Peter Moritz in Halle verteidigt sich, weil er lange nicht zur Beichte und zum Abendmahl gegangen ist: Es ist dies vielleicht die rührendste unter den vielen Verteidigungsschriften, weil hier ein armer ungebildeter Salzwirker unerschrocken gegen kirchliche und staatliche Gewalt sich verteidigt . [Es] habe keinen Zweck, gezwungen zum Tische des Herrn zu gehen, weil Gott ein erpreßtes Opfer mißfalle" (Beyer-Fröhlich). Unheimlich sind die Gesichte der prophetischen Anna Vetter, der Frau des Schlosswächters zu Onoldsbach in Band 2. Ihr Lebenslauf ist leidvoll und ihr Gemüt trübe. In der Bitternis ihrer Ehe mit einem rohen Mann, von dem sie viele Kinder hatte, lernte sie heimlich von ihrem Schwager schreiben und "entwickelt eine wunderbare Sprachkraft in ihren mystischen Erlebnissen, die um die Gedanken von Verführung und Schwangerschaft kreisen ." (Beyer-Fröhlich). Im 2. Band hat Johann Greulich seine inneren Erfahrungen selbst niedergeschrieben. In einer Mischung aus idyllischen Visionen und schauerlichen Gesichten von Hungersnot, Pestilenz, Krieg und Tod breitet sich eine merkwürdige Stimmung aus mystischer Entzückung und Düsternis aus: "Eine wahre Weltuntergangsstimmung herrscht in diesen ei [Attributes: First Edition]
      [Bookseller: Antiquariat Wolfgang Braecklein]
Last Found On: 2015-03-30           Check availability:      AbeBooks    

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