The viaLibri website requires cookies to work properly. You can find more information in our Terms of Service and Privacy Policy.

Recently found by viaLibri....

Eigenh. Brief mit U.
[Hamburg, Anfang Oktober 1768].. 3 SS. auf Doppelblatt. 4to.. Von der Musikwissenschaft oft zitierter, seit Jahrzehnten verschollener Brief an seinen Jugendfreund, den Dichter und Kritiker Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737-1823), mit einer Schilderung eines Privatkonzerts bei Carl Philipp Emanuel Bach: "Sie sind gewiß ungehalten, und glauben, daß Sie auch würcklich Ursache haben es zu seyn - indeß versichere ich, daß heute der erste Posttag nach dem Morgen ist, daran ich Bachen habe spielen hören, und daran ist hauptsächlich Lessing schuld. Ich allein konnte Bachen nicht zum spielen bringen, daher ich Lessingen bat mich einmal mitzunehmen, und dies Mitnehmen ist vorigen Mittwochen Morgens um ½ 12 allererst erfolgt. - Das kleine berühmte Silbermannsche Clavier hat einen hellen, durchdringenden, süßen Ton, keine außerordentl. Stärke im Baß, keinen außerordentl. sanften schmeichelnden Discant und geht nur bis [E1]. Auf diesem Clavier spielte Bach zwey adagio und 1 Allegro, die er ausdrücklich für dies Clavier gesetzt hat, das erste mahl, wie sie auf dem Blatte vor ihm stunden, und das zweite mahl verändert. Die Stücke waren gar nicht schwer, indeßen spielte er das Allegro so geschwind und so rein dabey, daß man leicht sahe, wie er mit schwereren Stücken umgehen werde. Sein adagiospielen kann ich nicht besser beschreiben, als wenn ich sie an einen Redner zu denken, ganz gehorsamst ersuche, der seine Rede nicht auswendig gelernt hat, sondern von dem Inhalt seiner Rede ganz voll ist, gar nicht eilt etwas herauszubringen, sondern ganz ruhig eine Welle nach der andern aus der Fülle seiner Seele herausströmen läßt, ohne an der Art der Herausströmung zu künsteln, wohl aber zu denken, so wie ich an diesem Gleichniß nicht gekünstelt, aber auch nicht gedacht habe. Ich bat ihn denn die letzte Fantasie in den Probestücken etc., und ich kann ihnen versichern, daß wir sie nicht sehr unrecht gespielt haben, wie er sich denn auch, als ich etwas spielte, vernehmen ließ, wie man hören könne, ich spiele mit Leib und Seele quod obiter moneo. Er spielte noch eine von seinen leichten Sonaten - die Allegro fahren wie schnelle Donnerwetter unter seinen Fingern heraus, wir müßen sie nach diesem etwas geschwinder spielen. - Ich habe ihm von Klopstock Bardenliedern etwas gesprochen, er scheint es aber entweder nicht zu begreiffen oder ist kalt gegen alles, was nicht gut bezahlt wird [...]". - Teils etwas gebräunt. Volltext auf Anfrage. - Erstdruck (normalisiert): Ungedruckte Jugendbriefe des Wandsbecker Boten, mitgeteilt von Direktor Redlich (Festschr. für Gustav Heinrich Kirchenpauer), Hamburg 1881, Nr. 12, S. 13-15. F. Chrysander (Hg.), "Matthias Claudius, der Wandbecker Bote, über Philipp Emanuel Bach", in: Allg. musikalische Zeitung 16/37 (1881), Sp. 577-583. Claudius, Briefe an Freunde, hg. von H. Jessen (Berlin 1938), Nr. 24, S. 48-51. Claudius, Sämtliche Werke, hg. von H. Geiger (Berlin/Darmstadt 1958), S. 867-869.
      [Bookseller: Antiquariat Inlibris, Gilhofer Nfg. GmbH]
Last Found On: 2015-02-16           Check availability:      ZVAB    

LINK TO THIS PAGE: www.vialibri.net/years/items/876667/1768-claudius-matthias-dichter-1740-1815-eigenh-brief-mit-u

Browse more rare books from the year 1768


      Home     Wants Manager     Library Search     562 Years   Links     Contact      Search Help      Terms of Service      Privacy     


Copyright © 2018 viaLibri™ Limited. All rights reserved.