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Leviathan.
Hamburg, Rowohlt 1949. - 116 S. OPpbd. (Einband v. Karl Staudinger). Erste Ausgabe. Bock 1.1.1. Wilp./G. 1. - Bereits in seinem Erstling unterscheidet sich Schmidt in seinen Erzählungen wesentlich von der zeitgenössischen Nachkriegsliteratur (Borchert, Böll etc.). Zwar spielt die Gegenwart der Nachkriegszeit bzw. die Kriegszeit selbst eine erzählerische Rolle, indem Schmidt "in spätexpressionistisch kondensierter Schärfe die Alltagsrealität" umreißt (B. Sorg), unterschwellig aber spielen völlig andere Aspekte eine wesentliche Rolle. Von den 3 zusammenhängenden Erzählungen spielen 2 in der Antike (Carthago, Ende des römischen Reiches) und eine am Kriegsende 1945. Schmidt schreibt drei Tagebücher dreier Untergehender. Der erste ein uralter Gefangener zur Zeit der punischen Kriege, der in Konflikt mit seinen Zeitgenossen geraten war, da er verfrüht an die Kugelgestalt der Erde dachte. Der zweite ein Unteroffizier auf der Flucht vor den Russen, der sich mit Naturwissenschaft wappnet. Und der dritte ein Wissenschaftler in der alexandrinischen Zeit, der verspätet an die Welt in Scheibenform glaubt und der sich auf einer Wüstenexpedition seiner lästigen Gefährten befreit und verdurstet. Allerdings benutzt Schmidt diese "Abenteuer-Geschichten" lediglich als Verpackung, um seine naturwissenschaftlichen, geschichtsphilosophischen, literaturhistorischen und politischen Meinungen in einer zweiten Ebene darzustellen. Obwohl zwei der Erzählungen in der Antike spielen, ist es für Schmidt kein Hindernis, beispielsweise dem alexandrinischen Astronom Holberg, Cervantes, Schnabel und Wieland als Lieblingsautoren anzudichten und das Römische Reich trägt deutliche Züge des dritten Reiches. Alle Figuren spiegeln jedoch das Ich des Arno Schmidt und zeigen einen einzigen Typus des Intellektuellen, der die Kategorien seines Denkens der neuesten Philosophie, Mathematik und Physik seiner, vergangener und zukünftiger Epochen entlehnt. Schmidts später so charakteristische sprachliche und formale Art der irregulären Interpunktion, harter, abgehackter, teils unflätiger Umgangs- und Kurzsprache ist hier in seinem Erstling erst angedeutet vorhanden. Dennoch schreibt die FAZ: "Das Buch ist äußerst witzig geschrieben und genußreich zu lesen. Freilich verlangt es vom Leser geistige Anstrengung." Auch Hesse beurteilt den Neuling positiv: "Dieser junge schnodderige und sehr begabte Dichter, der schon in mythischen Vorexistenzen den Plato zur Strecke gebracht, den Dämon Leviathan erkannt und sich mit Berechnungen über die Liquidierung der Menschheit befaßt hat, ist ein etwas gefährdeter und möglicherweise nicht ungefährlicher, aber echter Visionär." Besitzvermerk auf dem Vorsatz. [Attributes: First Edition; Hard Cover]
      [Bookseller: Daniel Osthoff]
Last Found On: 2014-10-02           Check availability:      AbeBooks    

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