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Heiliger Michael. "Tavola della Biccherna". Einbanddecke im Stil der Sieneser Renaissance
Siena, ca. 1890 - 1900.. Siena, ca. 1890 - 1900.. Einbanddecke im Stil der Sieneser Renaissance. Zwei, mit breitem Lederrücken (ca. 4,5 cm) verbundene reliefgeschnitzte, reich vergoldete und punzierte Holzdeckel mit 6 (von 8) aufgebrachten Buckelrosetten, gemalten floralen Bordüren und aufwändiger Deckelmalerei mit einer Heiligen-Darstellung und Wappenmalerei mit Textfeld. Einbandnachahmung im Stile der Sieneser Rechnungsbucheinbände von dem Sieneser Maler und Restaurator Icilio Federico Joni (1866-1946), einem der berühmtesten Fälscher von Kunstwerken und Haupt einer ganzen Fälscherschule, die sich vor allem auf die Sieneser Malerei spezialisiert hatte. Bei den "Tavole della Biccherna", von denen 18 heute noch bekannt sind, handelt es sich allerdings um freie Neuschöpfungen im Stil der Einbände, die die "Magistratura finanziaria della Repubblica di Siena", die sogenannte Biccherna vom 12. bis zum 18. Jahrhundert für ihre Rechnungsbücher benutzte. Dabei war es üblich, die alle sechs Monate neu berufenen Finanzbeamten in besagten Holzeinbanddecken mit ihren Wappen, Heiligenfiguren, Kontorszenen und meist auch zugehörigen Texten zu ehren. - So waren über die Zeit einige Hunderte Tafeln entstanden, die sich später immer mehr auch zu selbständigen Gemälden entwickelten. Mit der vorliegende Einbandecke geht Joni also auf ein Vorbild zurück, das noch ganz im Kanon des nutzbaren Buchschutzes und Schmucks steht: Auf dem Vorderdeckel ist der "Seelenwäger", der Erzengel Michael dargestellt auf reich mit Punkt- und Kreispunzierungen geschmückten Grund. Hochaufgerichtet mit dem Lanze, Heiligenschein, in kostbarer römischer Rüstung mit Knieplatten nach Engelsgesichtern, Schuppenpanzer und Pfauenaugenflügeln steht der Erzengel über dem niedergeworfenen Teufel in Gestalt eines sich zu seinen Füßen windenden Drachens, die Seelenwage des jüngsten Gerichts in seiner Linken haltend. Die vier angrenzenden Felder sind mit breiten floralen, gepunzten Bordüren auf Schwarzgrund gefüllt, in den Ecken sind die erhabenen Buckelrosetten aus geschmiedetem Messing aufgebracht. Alle Register sind durch in den Kalkgrund gedrückte Lochpunzen begleitet. - Der Rückdeckel folgt demselben Muster, im Mittelfeld sind ein großes und fünf kleine Wappen in erhabenem Kissenrelief dargestellt. Es sind Wappenschilder bekannter italienischer Familien mit dem folgenden Text: "Questo è (i)l nome di quello spettabile cittadino Cuno Q. Riccio Altoviti Camarlengo dell offitio di Biccerna per tenpo (!) di mesi sei da kalende luglio a kalende genaio anno domini 1475", also angeblich von einem wohl tatsächlich existierenden "Camerlengo" einem Verwalter der Sienneser Biccherna. Die Tafeln sind insofern interessant, da Joni hier die Biccherna expressis verbis nennt und die Tafel auch explizit datiert "1475", womit er dem kritischen Begutachter Kriterien zur Nachprüfung überlässt. - Von den 8 Messingbuckeln fehlen jeweils eine auf dem Vorder- und Rückdeckel, mit einigen Gebrauchsspuren, die teilweise auch von dem Fälscher selbst zur Erhöhung der beabsichtigten Authentizität dem Objekt beigebracht wurden: Lederrücken an Kapitalen eingerissen, die Deckel mit mehreren Abplatzungen der vergoldeten Punzenstege, einigen kleineren Abriebstellen der Malerei, wobei das meist zu glatte und leuchtende Gold des Grundes durchscheint, das es im 15. Jahrhundert noch nicht gab und das danut die künstliche Alterung aufdeckt. - Die Deckel wie üblich mit vertikaler Durchbruchstelle und entsprechenden Fehlstellen, jedoch kaum Bildverlust; der hintere Deckel etwas stärker betroffen. Die Heiligendarstellung mit kleinen Abkratzungen (im Gesicht, im Gewand), sonst in sehr guter Gesamterhaltung. Vgl. Hellmuth Helwig. Einbandfälschungen: Imitation, Fälschung und Verfälschung historischer Bucheinbände, Stuttgart 1968, Hettler. - Joni, Icilio Federico: Le memorie di un pittore di quadri antichi: Con alcune con descrizioni sulla pittura a tempera e sul modo di fare invecchiare i dipinti e le dorature, Florenz 1932.
      [Bookseller: Antiquariat Turszynski]
Last Found On: 2014-05-02           Check availability:      Biblio    

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