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Entwurf für den Theatervorhang für das erste Sempersche Hoftheater
1840. Bleistift und Feder auf Papier, 26,2 x 36,6 cm. Als Vertreter der jungen Düsseldorfer Schule 1839 an die Dresdner Kunstakademie berufen, knüpfte Julius Hübner mit dem 1840 für das neue Königliche Hoftheater bestellten Hauptvorhang an seine literarisch inspirierten Gemälde an, die ihm Ruhm und das Lob eines "dichtenden Malers" eintrugen. Für dieAufgabe erschien ihm eine "Composition der Romanze nach [Ludwig] Tieck am alleroriginellsten". Mit diesem Prolog zum Lustspiel 'Kaiser Octavianus' (1804) von dem als Dramaturg am Hoftheater tätigen König der Romantik' griff er eine Dichtung auf, die in der Poesie als Quelle aller Künste ein auch für den Maler entscheidendes Prinzip vor Augen führte. Die Wahl verstieß indes inhaltlich und stilistisch gegen Gottfried Sempers Intention, den innenarchitektonisch ungeheuer bedeutsamen Bühnenvorhang idealerweise mit dem Goetheschen Motiv 'Faust und Helena' nach einem Entwurf Bonaventura Genellis zu schmücken. Der im Tieck-Kreis verkehrende Hübner entwarf den Vorhang zwischen März und September 1840 und vollendete ihn bis auf Retuschen im Oktober, wobei ihn Ludwig Richter, Ernst Ferdinand Oehme und andere unterstützten. Den unteren Abschluss des Hauptbildes bildete ein von Richter nach Hübners Idee komponierter Fries aus dramatischen Charakteren der Weltliteratur. Seit Eröffnung des Hoftheaters im April 1841, als der Triumphzug der Romanze' in persona auf der Bühne erschien, feierte man den 1869 mit dem Theaterbrand untergegangenen Vorhang als "ein ganz vorzügliches Werk", dessen "geistige[r] Inhalt" einen ebenso "fesselnden Eindruck" hinterlassen habe wie die "reiche Ornamentik". Der ungleichmäßige Ausarbeitungsgrad der Gruppen und Landschaft, das Fehlen von Sockel- und Zwickelfüllung sowie die unvollständige Umschrift erweisen das vorliegende Blatt als unmittelbare Vorarbeit zu dem verschollenen, kompositionell unveränderten Karton vom Herbst 1840, der in einer weitgehend übereinstimmenden Umrisszeichnung überliefert ist. Für das Hauptbild übernahm Hübner die Protagonisten des Prologs: Romanze und Dichter auf dem Gipfel, darunter Glaube und Tapferkeit bzw. vis-a-vis die Liebe, gefolgt von Pilgerin mit Liebendem sowie Scherz und Hirtenmädchen mit Ritter. Charakter und Beziehungen dieser die Leitideen romantischer Poetik verkörpernden Allegorien deutete der Künstler in Haltung und Gestik an, ohne sie kompositorisch zu verweben, so dass die Akteure zu lyrisch-elegischen, typisch Düsseldorfer Zustandsbildern geronnen. War zunächst eine additive Figurenreihung geplant, änderte Hübner sie rasch in eine Halbkreiskomposition. Sie fächerte die paarweise zusammengefassten Handlungsstränge der Vorlage zujenem Tableau auf, das der Aufzug der Romanze im "opernhaften Finale" bei der "Verschmelzung" der Allegorien in der gemeinsam vorgetragenen, zum Inbegriff romantischen Empfindens gewordenen Beschwörungsstrophe vorführt: "Mondbeglänzte Zaubernacht, / Die den Sinn gefangen hält, / Wundervolle Märchenwelt, / Steig' auf in der alten Pracht!" Mittels der schwebenden Bildstruktur suggeriert die Lünette die "mondbeglänzte Zaubernacht" und fasst als Spannungsbogen und Würdeformel das Kaleidoskop der idyllischen Einzelbilder zu einer poetisch entgrenzten Einheit zusammen, in der sich die Epiphanie und Apotheose der Romanze erfüllt. Hübner, selbst dichterisch produktiv, gelang es, die Quintessenz des Prologs kongenial in das Medium der bildenden Kunst zu übersetzen, ohne das sukzessive Element der Lyrik in einem einzigen, statischen Moment einzufrieren. Rhythmische Nuancierung und subtile Linearität unserer Zeichnung vermögen diesen Aspekt werkprozessbedingt besonders gut zum Ausdruck zu bringen.
      [Bookseller: H. W. Fichter Kunsthandel e.K.]
Last Found On: 2014-05-02           Check availability:      ZVAB    

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