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Organum philosophiae peripatetica', anonyme Handschrift in lateinischer Sprache, bestehend aus zwei Teilen: 'Logica' und 'Physica', braune Tinte auf Papier, gleichmäßiges, feines Schriftbild, undatiert und ohne Ort, wohl Frankreich um 1650. Sorgfältig in zahlreiche Kapitel und Unterkapitel gegliedert; Aufbau und Inhalt legen die Vermutung nahe, dass es sich um die Mitschrift einer, wie üblich am aristotelischen Wissenskanon ausgerichteten, Vorlesung einer jesuitischen Bildungseinrichtung handelt.
- 333 beschriebene Seiten mit 43 Illustrationen im Text. Blattgröße 20,5 x 15 cm, Schriftspiegel ca. 14 x 11 cm. Neuerer Pergamenteinband aus altem Pergament, 8vo. Während der erste, nur 47 Seiten umfassende, Teil ganz in der scholastischen Tradition bleibt, die Logik als den universalen, gottgegebenen Schlüssel zur Welterkenntnis versteht und nach der Darstellung des Wesens der Begriffe (S. 3) und Zeichen (S. 7), der Definitionen und Unterscheidungen (S. 13), schließlich zum Wesen des Syllogismus (S. 32) kommt, enthält der zweite, wesentlich umfangreichere Teil durchaus überraschende Analysen. Beginnend in gewohnter Manier, wird zunächst das Wesen der 'materia prima' diskutiert (S. 4), es folgen Erörterungen über das Wesen von Form und Inhalt (S. 21) und die Qualität von Gründen (S. 53). Ab Seite 99 werden dann zwar weiterhin die traditionellen Themen behandelt: die Bewegung und das Unendliche (S. 99), das Kontinuum (S. 127), der leere Raum (S. 150) und die Zeit (S. 175). Aber die Art der Analyse und Darstellung ist bemerkenswert. Ausführlich und eingebettet in mathematische Beweisführungen, darüber hinaus erklärt durch zahlreiche zeichnerische Darstellungen, sowie in intensiver Auseinandersetzung mit der zitierten Literatur (u.a. Zeno, Demokrit, Albertus de Saxonia, Rodrigo de Arriage (S. 128 f.), Francisco Vallesio (S. 131), Clavius) geht die Vorlesung weit über das übliche Niveau hinaus. Natürlich ist das letzte Ziel jesuitischen Unterrichts der Nachweis der Größe und Ubiquität Gottes. Aber die Lehrer und Professoren hatten im 17. Jahrhundert durchaus die Möglichkeit in ihrem Unterricht individuelle Schwerpunkte zu setzten. Der Orden war, wie sich besonders im letzten Kapitel der Handschrift 'Tractatus tertius in quator libros de coelo' zeigt, durch die Erkenntnisfortschritte insbesondere in der Kosmologie gezwungen, Position zu beziehen. Das konnte prinzipiell zweierlei heißen: verbieten und verfolgen, oder, lavieren, differenzieren, einlenken, variieren. Die vorliegende Mitschrift dokumentiert eine Vorlesung in der sich der Dozent überraschend ausführlich und mutig mit den virulenten Themen seiner Zeit auseinander setzt. Zwar finden sich die Probleme, Fragestellungen und Antworten auch in der zeitgenössischen jesuitischen Literatur (vergl. etwa die 1648 in Lyon publizierten Vorlesungen des Honoratus Fabrius), aber in der vorliegenden Mitschrift geht es nur vordergründig um die Darstellung und Kommentierung der unwandelbaren aristotelischen Lehre. Hier bricht sich vielmehr das Neue Bahn - wenn auch noch in der Verneinung: hier wird das moderne Weltsystem vorgestellt, die neue Kosmologie in all ihren Feinheiten erörtert. Wir werden Zeuge der dialektischen Entwicklung zur Moderne; die eigentlichen Hüter der Tradition öffnen durch ihre maßlose Gelehrtheit dem Neuen den Weg in die Köpfe der Studenten und Schüler. Was in anderen zeitgenössischen Vorlesungen noch möglichst kurz und nichtssagend abgehandelt wird, referiert hier ein Fachmann, Astronom, Mathematiker und Philosoph, ausgestattet mit umfangreicher Kenntnis der Literatur, umfassend gebildet und engagiert. Er zieht die klassischen Autoren und Kirchenväter ebenso souverän heran, wie die Dissidenten, Apostaten, Renegaten und Häretiker: Copernicus, Galilei, Brahe, Descartes, Bourdin, Keppler, Kircher, Purbach, Sacrobosco, Lansberg, Scheiner, Alphonsus, Regiomontanus, Gassendi, Riccioli, Arriaga, um einige zu nennen. Sehen wir uns das etwa 100 Seiten umfassende Kapitel etwas genauer an. Es beginnt mit einer Einführung (De mundo in comuni, S. 183), die die Eigenschaften unserer Welt behandelt, ihre Qualität und Vielfalt, sowie ihre Entstehung. Auf Seite 198 folgt die Kosmologie (De mundo coelesti), wobei das Eingangskapitel, das durch die Menge der zitierten Literatur beeindruckt, zeigt, wie nahe Astronomie und Astrologie sich im 17. Jahrhundert noch waren. Es wird aufgezählt, was es heißt unter einem bestimmten Stern geboren zu sein und welche Eigenschaften dadurch mitgegebe
      [Bookseller: Antiquariat Elvira Tasbach]
Last Found On: 2014-02-01           Check availability:      AbeBooks    

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