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Dichter (1875-1926): Eigenh. Brief mit U - Rilke, Rainer Maria - 1899. [1275028]
- Sehr früher und interessanter Brief an die Redaktion des "Montagsblatt aus Böhmen" anlässlich einer am Vortag erschienenen Besprechung seines berühmtesten Jugendwerkes "Mir zur Feier. Gedichte" (1899) mit Buchschmuck von Heinrich Vogeler. Rilke geht auf die lobende Kritik nicht ein, sondern bittet um die Korrektur der falschen Angabe, er habe seine erste nennenswerte Gedichtsammlung dem Illustrator und weiteren Förderern gewidmet: "[ ] in der Beschreibung meines Buches ‚Mir zur Feier` ist ein sachlicher Irrtum zu verzeichnen. [mit Stern eingefügte Anmerkung unten:] Nr. 11 vom 12. März 1900. Sie würden mir einen Dank erweisen, wenn Sie ihn in der nächsten Nummer richtigstellen wollten, umsomehr, als er nicht direkt mich [im Original unterstrichen] trifft. Das Buch ist nicht [im Original unterstrichen] dem Maler Heinrich Vogeler-Worpswede und dem Herrn Prof. Dr. August Sauer und der ‚Gesellschaft zu Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur` - ‚zugeeignet.` Diese Namen sind nur darin notiert, mit der Bemerkung, durch wessen Freundschaft, Vermittlung und Theilnahme das Buch schöner und reicher werden durfte in seiner Erscheinung. Zu einer Widmung fehlte mir bei den Persönlichkeiten, sowie dem Institut gegenüber das Recht, da ja der Inhalt des Buches zu keinem von den dreien in irgendeiner persönlichen Beziehung steht. / Mit Dank / hochachtend: / Rainer Maria Rilke" - // - DiABEI: Kopie der Besprechung in der deutschsprachigen Prager Zeitung "Montagsblatt aus Böhmen", - Rilkes "neues Versbuch", das erstmals unter dem auf Veranlassung von Lou Andreas-Salomé (Schriftstellerin, Psychoanalytikerin, 1861-1937) eingedeutschten Namen Rainer (statt René) erschien, wird darin außerordentlich gelobt: "Es hat ein festliches Gewand, entzückende Arabesken und reizvolle Miniaturen des Vorpsweder (sic!) Künstlers Heinrich Vogeler umrahmen die Lieder, es ist stattlicher als die früheren Gedichtbände unseres Landsmannes, es ist persönlicher und künstlerisch entschieden reifer". - Der Autor bedauert die fehlende Resonanz und begründet seine Bewunderung für Rilkes Kunst: "er ist eine geheimnisvolle, aus einer überreichen Phantasie und verblüffenden Beweglichkeit der Sprache quellende Kraft, welche in seinen Versen zittert." - Dies alles vermag die Verärgerung Rilkes über die versehentlich unterstellte Widmung nicht zu bremsen. Den Maler, Designer, Illustrator und bald engen Freund Heinrich Vogeler (1872-1942), hatte Rilke 1898 in Florenz kennen gelernt. Im September 1900 wurde Rilke eingeladen auf den Barkenhoff, dem Domizil Heinrich Vogelers in Worpswede, da sich Lou, mit der er seit 1897 befreundet war, vorerst von ihm getrennt hatte. Dort lernte Rilke die Bildhauerin Clara Westhoff kennen und heiratete sie im folgenden Frühjahr. Der österr. Literaturhistoriker und Hochschullehrer August Sauer (1855-1926) gehörte zu den Intellektuellen in Rilkes Geburtsstadt Prag. Er begründete die Zeitschrift Euphorion. Die "Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen", wurde 1890 in Prag gegründet und unterstützte in den tschechischen Länden lebende deutsche Forscher, Künstler und Schriftsteller mit Finanzierung von Druckkosten. - // - Wenn Rilke das Buch jedoch überhaupt jemandem gewidmet hätte, dann nur Lou Andreas-Salomé. Ursprünglich wollte er für die Freundin eine Gedichtsammlung mit dem Titel "Dir zur Feier" veröffentlichen. - Dass Rilke zur Zeit unseres Briefes noch ganz im Banne Lous war, zeigt schon der Absender. Er war der 14 Jahre älteren Geliebten nach Berlin Schmargendorf gefolgt und bewohnte 1898 bis 1900 eine Wohnung in der Villa Waldfrieden in Lous unmittelbaren Nachbarschaft. Dort entstand nicht nur unser Brief, sondern berühmte Werke wie der Cornet. Endgültig beendete Lou die Liebesbeziehung mit dem Abschiedsbrief vom 26. Februar 1901. Die leidenschaftliche Beziehung ging über in eine enge Freundschaft, die bis zu Rilkes Tod anhielt. 1905 widmete er ihr das "Stunden-Buch". - Kleiner Einriss am Ra [Attributes: Signed Copy]
      [Bookseller: Antiquariat Richard Husslein]
Last Found On: 2016-11-27           Check availability:      AbeBooks    

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