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OLEARIUS, PAUL

De fide concubinarum in sacerdotes. Questio accessoria causa ioci & urbanitatis in quodlibeto Heidelberge(n)si determinata. O.O., Dr. u. J.

      Basel, J. Wolff 1505. Kl.-4to. 25 Bl. Mit großem altkolorierten Titelholzschnitt u. 11 großen kolorierten Textholzschnitten (davon 1 wiederholt). Ppbd des späten 19. Jhdts (Einbd fleckig u. berieben, durchgehend etwas fingerfleckig u. mit leichten Gebrauchsspuren, einige Unterstreichungen u. Marginalien von Alter Hand). (WR 01-184) Derbe vorreformatorische Kritik an einem sittenlosen Klerus, dem das Keuschheitsgelübde nur noch ein Lippenbekenntnis war, das durch andere "Lippenbekenntnisse" ständig gebrochen wurde. In Form einer frei vom Leder ziehenden sog. Quodlibet-Disputation unter dem (fiktiven?) "egregio magistro" Johann Hilt aus Rottweil abgefasst und dadurch auch sprachlich von Interesse: der lateinische Text ist ständig mit deutschen Sätzen und Halbsätzen durchsetzt. Die Ausgabe enthält ferner ab Blatt B 4 verso in der gleichen Manier: De fide meretricum in suos amatores (Über die Treue der Dirnen zu ihren Buhlschaften) von Jakob Hartlieb aus Landau. "Hartliebs Rede gehört zu jenen ergötzlichen akademischen Scherzreden oder Quaestiones fabulosae seu facetosae, die, bis in die neuere Zeit herab nur als pseudonyme Pamphlete betrachtet, zu ihrer Zeit öffentlich vorgetragen wurden und das (damalige) Universitäts- und Kulturleben wie wenige andere Äußerungen auf eine drastische und anziehende Weise zu charakterisieren geeignet sind. Und gerade Hartliebs Schrift gehört ihres kulturhistorischen Inhalts wegen zu den interessantesten ihrer Art" (ADB 10, 669 f). Der eigentlich Zweck der Rede war, die studierenden Jünglinge sittlich zu ermuntern, dass sie sich nicht die verderbten Pfaffen zum Vorbild nähmen. Mit vielen eingestreuten teils lateinischen, teils deutschen Gedichten. Der besondere Reiz der Ausgabe aber sind die bildkräftigen, im vorliegenden Exemplar nicht ganz sauber, aber hübsch kolorierten Holzschnitte des als "Meister DS" bezeichneten Basler Formschneiders (Thieme/B. 37, 387).- Erman/Horn I, 7350; VD 16 O 663; vgl. Hohenemser 3893; Hayn/Got. I, 665 f (andere Ausgaben; "sämmtliche Drucke sind Seltenheiten!") u. III, 95 (Hartlieb).

      [Bookseller: Hamburger Antiquariat Keip GmbH]
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