Cicero, Marcus Tullius.
Le Tusculane recate in italiano. 144 num. Bl. Mit 2 Druckermarken. Pergamentbd d. Z. (kleine Randläsuren).
Venedig, Vincenzo Valgrisi, 1544. - Beigebunden: Cicero, Marcus Tullius. Opere tradotte in lingua volgare, di nuovo impresse et corrette. 165 num. Bl., 3 Bl. Mit Porträt Ciceros auf dem Titel und Druckermarke am Schluss. Venedig, Giovanni da la Chiesa, 1544. I. Erste Ausgabe dieser Übersetzung der 'Tusculanae disputationes' Ciceros durch Sebastiano Fausto da Longiano (ca. 1502-1565). Von Gamba als selten, aber "roh" ("incondita versione") bezeichnet, wobei der Bibliograph offenbar kein Exemplar gesehen hat, da er sich auf Informationen anderer beruft und Fausto nur als angeblichen Herausgeber nennt, während die Widmung und ein Hinweis an die Leser eindeutig mit seinem Namen gezeichnet sind. Fausto übertrug zahlreiche antike Schriftsteller in das Italienische und gab auch einen Dialog über die Kunst des Übersetzens heraus. Berühmt, jedoch wenig schmeichelhaft ist das Urteil von Girolamo Muzio, wonach Fausto von der italienischen Sprache soviel verstehe wie ein Esel vom Spielen auf der Leier (zitiert bei Gamba 1389). Wenig fleckig. Gamba 2568. Graesse II 185. II. Erste Ausgabe dieser Übersetzung von Ciceros 'De officiis' und kleineren Schriften durch den Humanisten und Theologen Antonio Brucioli (1487-1566), dessen wichtigstes Werk seine reich kommentierte italienische Bibelübersetzung ist, die in vielen Anmerkungen die Institution der katholischen Kirche kritisiert. Auf Reisen nach Frankreich und Deutschland lernte Brucioli die Ideen der Reformation kennen, die er zeitlebens in vielen Punkten vertrat, ohne je förmlich dem Katholizismus zu entsagen. Angeblich las er sogar öffentlich aus Luthers Werken, notorisch waren seine republikanische Einstellung sowie seine sehr kritische Haltung gegenüber dem Klerus. Nachdem er Florenz verlassen musste, geriet er auch in Venedig mehrfach in Konflikt mit der Inquisition, trotz der Protektion einflussreicher Gönner, die ihm seine beliebte Bibelübersetzung eingebracht hatte. Alle seine Werke kamen auf den 'Index librorum prohibitorum', 1558 musste er öffentlich seinen Ideen abschwören, aber auch danach verhörte ihn die Inquisition erneut. Er starb nach Kerkerhaft in sehr ärmlichen Verhältnissen. ICCU 14606. Graesse II 185.
[Bookseller: Antiquariat Wolfgang Braecklein]
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