Gesualdo, Filippo.
Plutosofia. Nella quale si spiega l'arte della memoria, con altre cose notabili, pertinenti tanto alla memoria naturale, quanto all'artificiale. 4 Bl., 64 num. Bl. Mit Titelvignette in Holzschnitt und 1 ganzseitigen Kupferstich. 4°. Neue Kartonage.
Vicenza, Pietro Bertelli für Perins Erben, 1600.. . Zweite, mit einer zusätzlichen Widmung versehene Ausgabe des Traktats zur Gedächtniskunst von dem Franziskaner Filippo Gesualdo (1550-1619). Der anatomische Holzschnitt der Erstausgabe von 1592 ist hier durch einen Kupferstich ersetzt. Gesualdo zeigt sich zwar auch von Giulio Camillos 'Idea del Theatro' beeinflusst, folgt aber im Wesentlichen der alten, auf die Antike zurückgehenden Tradition einer Mnemotechnik, die Informationen, welche im Gedächtnis verankert werden sollen, mit bestimmten bildlichen, geordneten "Loci" verbindet. Statt, wie üblich, z. B. eine Abfolge von Namen mit Orten in einem Haus zu verknüpfen, um dann mit Hilfe eines virtuellen Gangs durch das Gebäude die jeweils gespeicherte Information zu reproduzieren, schlägt Gesualdo die menschliche Anatomie vor, die er in 42 Punkte teilt. Als Beispiel wählt er die 42 Vorfahren Jesu, die beim Einprägen jeweils mit den Körperteilen verknüpft werden und danach leichter abrufbar sind, wenn man sich die eingeprägte Anatomie vor Augen ruft. Das Werk heißt 'Plutosofia', da ein gutes Gedächtnis ein großer Schatz menschlicher Weisheit sei. Von Ficino ist die Dreiteilung inspiriert. "He sees memory on three levels; it is like the ocean, father of waters, for from memory flow all words and thoughts; it is like the heaven, with its lights and operations; it is the divine in man, the image of God in the soul" (Yates, S. 165). Die zwanzig Lektionen des Werks basieren auf Vorlesungen, die Gesualdo während seiner Zeit als Professor in Palermo hielt. Später wurde er zum Ordensgeneral und 1602 zum Bischof von Cariati und Cerenzia ernannt. Als Theologe beschäftigte er sich auch mit der Bedeutung sowie "Technik" von Meditation und Gebet. Mit dieser Erfahrung im Hintergrund verfasste er auch seinen interessantesten Beitrag zur Gedächtniskunst im letzten Kapitel, das die Methoden willentlichen Vergessens behandelt und Vorschläge gibt, wie unangenehme und traumatische Erinnerungen wieder ausgelöscht werden können. - Wenig gebräunt, Titel mit kleinem Besitzeintrag. - Wellcome 2819. Young, Memory S. 128. Vgl. Lina Bolzoni, La stanza della memoria, 1995, und Frances Yates, The Art of Memory, 1999. * Second edition of this tract on mnemonics, with the added dedication. The anatomical woodcut in the first edition was replaced by a copper engraving. Gesualdo was inspired by Giulio Camillo's 'Idea del Theatro' but he mainly follows the classical tradition of connecting information with orderly figurative 'loci', suggesting the human anatomy as a convenient source. In the last chapter he gives the most interesting advice on deliberate oblivion in order to erase traumatic experiences from memory. With woodcut title vignette and one full-page engraving. - Only lightly browned, title with small ownership inscription. Modern boards.
[Bookseller: Antiquariat Wolfgang Braecklein]
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