Geiler von Kaysersberg, Johannes (1445-1510) -
Christenlich bilgerschafft zum ewige[n] vatterla[n]d, fruchtbarlich angzeigt in glychnuß vn[d] eige[n]schafft eines wegfertige[n] bilgers, der mit flyß vn[d] yle[n]t sucht sin zitlich heymut. Gepredigt durch den hochgelerte[n] herr Johan[n]s geiler gna[n]
durch den fürsichtige[n] Ada[m] Petri 15. VI. 1512. - Folio (28 x 20 cm),moderner Halbpergamentband mit Buntpapierbezug,VD 16 G 727 - Fingerprint: chin chvn lein ante -"Geiler von Kaysersberg, Johannes, der volkstümlichste Prediger des ausgehenden Mittelalters, * 16.3. 1445 in Schaffhausen als Sohn eines Notariatsgehilfen und späteren Stadtschreibers, 10.3. 1510 in Straßburg (Elsaß). - G. wuchs auf in dem Kaysersberg benachbarten Ammersweier (Oberelsaß), wo sein Vater 1447 im Kampf mit einem die Weinberge verwüstenden Bären ums Leben kam, und im Haus seines Großvaters in Kaysersberg (daher der Beiname). Er bezog 1460 die Universität Freiburg (Breisgau), studierte und lehrte dort Philosophie und empfing 1470 die Priesterweihe. 1471 wandte sich G. in Basel dem Studium der Theologie zu und promovierte 1475 zum Dr. theol. Er wurde 1476 Rektor der Universität Freiburg (Breisgau) und 1478 Prediger an der St. Lorenzkirche in Straßburg und 1486 am Liebfrauendom. - G. v. K. predigte in urwüchsiger Volkssprache, derb und humorvoll. An den kirchlichen Zuständen übte er rücksichtslos scharfe Kritik und geißelte unerschrocken ihre Schäden, vor allem die Verweltlichung und Entsittlichung des Klerus und Mönchtums. Trotz seiner Forderung einer Reform der Kirche und des Klerus, trotz seiner humanistischen Bildung und Freundschaft mit Sebastian Brant (s. d.) war G. durchaus ein Vertreter mittelalterlich-katholischer Frömmigkeit und scholastischer Theologie. Seine Predigten und erbaulichen Schriften sind wichtig für die Geschichte vorreformatorischer Predigt." (Bautz 2, Sp. 194-195)
[Bookseller: Antiquariat Dr. Rieger]
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