Marquard[us] von Lindau.
Die zehe[n] gebot in disem büch erclert und ußgelegt durch etlich hochberümbte lerer, Und fragt der jünger den meister, der lert wie man die gebot gottes halten und sich vor todsünde hüten sol [...]. Hiernach so folgt ein nutzlich leer und underweisung w[
- (Straßburg, Johann Grüninger, 1516).Fol. Mit Holzschn.-Titelbordüre von Hans Wechtlin u. 10 halbseitigen Holzschnitten zum ersten Teil sowie einem Titelholzschnitt zum zweiten Teil von Hans Baldung Grien. 60 (recte 58) num. Bll. num. Bll. 61-108 (recte 105). Mod. HPgmt.Erste illustrierte Ausgabe. - Der Liederdichter Marquard von Lindau (gest. 1392 in Konstanz) stammte vermutlich aus Lindau am Bodensee und trat dort in den Orden der Franziskaner ein. 1373 war er Lesemeister am Studium generale der oberdeutschen Franziskanerprovinz in Straßburg, danach wirkte er in Straßburg, Lindau, Würzburg und Konstanz. 1377-83 war Marquard mehrmals Kustos der Bodensee-Kustodie und von 1389 bis zu seinem Tod Ordensprovinzial der oberdeutschen Provinz. Er zählte zum Kreis der "Gottesfreunde", schätzte Johannes Tauler und kannte die Werke der deutschen Mystik. Seine zahlreichen Schriften sind in einem Werkverzeichnis des 15. Jhds. erfaßt. Während Marquards lateinische Werke vor allem innerhalb des Ordens Verbreitung fanden, gehörten seine deutschen Werke zu den erfolgreichsten und populärsten katechetischen Schriften des späten Mittelalters. - An die vorliegende Dekalogerklärung (entstanden um 1373) schliesst sich ein Werk des asketischen Schriftstellers und Dominikaners Marcus von Weida an, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte, frühzeitig in den Orden in Leipzig eintrat und dort als Prediger und Lektor der Theologie wirkte. Unter seinen nach Inhalt und Form vorzüglichen Schriften fand sowohl die vorliegende Auslegung des Vaterunsers als auch der Rosenkranz Mariae noch zu Lebzeiten des Autors Drucklegung. - Die 10 signierten Holzschnitte von Hans Baldung Grien gehören zu den bedeutendsten xylographischen Erzeugnissen dieses hervorragendsten Vertreters der Straßburger Holzschnittschule: Ob Baldung die früheren Illustrationen zu den 10 Geboten kannte, wie sie sich in dem 1478 bei Sorg erschienenen Seelentrost und in dem 1509 von Knobloch gedruckten Spiegel christlicher Wallfahrt vorfinden, ist unsicher. Jedenfalls hat er seine geistreichen Blätter ganz selbständig entworfen (Muther). Das meist fehlende angehängte Werk von Marcus von Weida ist Muther unbekannt geblieben. Die ausserordentlich fein geschnittene Titelbordüre zum ersten Werk, die Muther ebenfalls nicht beschreibt, ist mit dem Monogramm E. F. G. W. sowie V. A. signiert und rührt von Hans Wechtlin, dem berühmten Formschneider der alten elsässischen Schule, her. Nagler (Mon. 11, No. 1581) beschreibt sie ausführlich, kennt jedoch ihre Verwendung in vorliegendem Werk nicht. Der Titelholzschnitt zum zweiten Teil ist eine Kopie nach dem in Sebastian Brants Carmina verwendeten Titelbild vom Jahre 1498 (vgl. Schreiber 3544). Er stellt einen in einer Landschaft knieenden Mann dar, links von ihm ein Wappenschild, über ihm eine Banderole mit den Buchstaben ODM DTVMM, in der linken oberen Ecke Gott Vater. - Alter Besitzeintrag am ersten u. späterer handschriftl. Eintrag a. beiden Titelblättern. Weiterer getilgter Besitzvermerk am ersten Titel, dadurch min. Papierdurchbruch. Der zweite Titel mit kl. Loch im unteren Blattrand. Tlw. mit An- und Unterstreichungen sowie Marginalien von alter Hand. Etw. gebräunt, vorwiegend im unteren Blattrand fingerfleckig. - Kein Exemplar im Jahrbuch der Auktionspreise! - VD 16, M 1075 Weller 995 Kosch X, 462 Ritter 1488 Muller 134 Muther 1400 sowie Tafeln 238-247 (mit Faksimile aller 10 Holzschnitte) Bartsch 49-53 (kennt nur 5 Holzschnitte) nicht bei Adams, Fairfax Murray u. im BM STC, German Books. - Hardcover
[Bookseller: Antiquariat Wolfgang Friebes]
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