Paracelsus: =
Portrait, Halbfigur, halblinks, ein Swchert fassend umher ovaler Rahmen mit Inschrift Theophra. Paracels Aureolus Philipp. Umher manieristischer Blumenornament, in den Zwickeln Sphinxen und Faune. Monogrammist BR (J.Th. de Bry), Kupferstich aus J.J.Boissard, Icones virorum illustrium, Frankfurt 1597-99, Kupferstich, 142 x 115 auf 201 x 167 mm; sehr frischer Abzug.
. Unter dem Oval in Latein: Hier ist der, dem das Geheimnis der großen Welt bekannt war, und der sich mit der Kunst des Verstandes den Verstand geben konnte. Die Granatäpfel in den Händen der Faune symbolisieren die verbindung des Bösen mit dem Guten. Philippus Aureolus Theophrastus Rombastus Paracelsus ab Hohenbeim, "auch "Helvetius Eremita" genannt, war 1491 in einem Hause nahe an der über die Sihl führenden Teufelsbrücke, eine Stunde weit von dem berühmten Wallfahrtsorte Maria Einsiedeln (Canton Schwyz), geboren. Sein Vater, der Arzt Wilhelm ab Hohenheim, stammte aus der alten und berühmten schwäbischen Adelsfamilie der Bombaste, die sich von dem adeligen Schloss Hohenheim, dem nachmaligen Esslinger Hof, bei dem Dorfe Pfänningen bei Stuttgart "Bombaste von Hohenheim" nannten. 1502 siedelte er mit seinem Vater nach Villach in Kärnten über, wo letzterer 1534 starb. Er bezog 1506 die Universität zu Basel, gab sich hier besonders chemischen Studien hin, lebte längere Zeit bei dem als Alchemist bekannten TRITHEMIUS, machte dann grössere Reisen durch Europa, hielt sich an verschiedenen Universitäten Studien halber auf und genoss bereits um 1527 wegen seiner Kenntnisse einen solchen Ruf, dass er auf des bekannten Kirchenvaters, seines Landsmannes Oekolampadius Empfehlung als Nachfolger von COPUS 1527 zum Stadtarzt von Basel ernannt wurde. In dieser Eigenschaft trat er in ebenso abenteuerlicher, wie verletzender Weise auf, indem er als Zeichen seiner Verachtung der arabischen Medicin alle Werke des AVICENNA auf öffentlichem Markt verbrannte. Noch mehr brachte er seine Collegen gegen sich auf, als er es wagte, sich der deutschen Sprache zu bedienen. Es kam schliesslich zu völligem Zerwürfniss, als er auf das schmutzige geschäftliehe Treiben der im Bunde mit den Apothekern stehenden Aerzte aufmerksam und demselben ein Ende machte. Zuletzt zerfiel er auch noch mit den Behörden; er liess aus Aerger darüber dieselben in Pamphleten angreifen, musste aber in Folge dessen heimlich aus Basel entweichen und führte nun ein abenteuerliches Wanderleben , das ihn durch den Elsass, die Schweiz, Deutschland und bis an die entferntesten Punkte Europas, selbst bis nach Asien hinein verschlug, wobei er von einer grossen Zahl von Schülern begleitet war, meistens Vagabunden, die nur Stein der Weisen kennen lernen wollten und PARACELSUS für den Besitzer desselben hielten. Allmälig verbreitete sich sein Name und sein Ruhm über ganz Europa. Er wurde 1640 nach Salzburg berufen, lebte aber hier nur noch 1 Jahr und starb daselbst 24 Sept. 1541. - PARACELSUS ist jedenfalls für die mystische Richtung der Medicin im 16. Jahrhundert die einflussreichste Persönlichkeit gewesen. Es ist über ihn sehr viel gedacht und geschrieben worden. Von der einen Seite ist er als Reformator, Vater der Heilkunde, Begründer der neuen Richtung in der Medicin gepriesen und in den Himmel erhoben, von der anderen als ein Mystiker, Schwärmer, Betrüger, Trunkenbold Gaukler bezeichnet worden. Dieser Widerspruch löst sich, wenn man auf die Quellen zurückgeht, aus denen er sich ergeben hat. Nachgewiesenermassen ist der bei Weitem grösste Theil aller Schriften, die unter seinem Namen erschienen sind untergeschoben und von den übrigen ist es höchst fraglich, wieviel davon ihm angehört und wieviel von seinen Freunden und Feinden hineingearbeitet worden ist. Seine Freunde glaubten, seine Lehre gar nicht dunkel genug darstellen zu können und seine Feinde, die ihn zu verunglimpfen bestrebt waren, scheuten sich nicht, in seine Schriften einen Wust von Unsinn hineinzutragen. Selbst die von seinen Gegnern gegen ihn erhobenen Angriffe sind darin als sein eigenes Werk aufgeführt. - Als Quelle des Wissens bezeichnete PARACELSUS die Erfahrung, aber nicht die auf dem Wege einer rationellen inductiven Forschung gewonnene Kenntniss sondern das aus der neueren Philosophie geschöpfte aprioristische Wissen; vorzugsweise ist es die Analogie, aus der er die Erkenntniss ableitet. Sein System basirt wesentlich auf den Theo- und Kosmosophien der Neuplatoniker, in die er eben nur das neuere philosophische Element hineingebracht hat. Die ganze Welt wird von ihm streng pantheistisch aufgefasst. Er unterscheidet 3 Sphären: eine himmlische mit den reinen Intelligenzen und körperfreien Seelen, eine astralische Welt mit den seelenlosen Elementargeistern und eine körperliche Welt, d. i. die irdische Natur, die au beiden genannten Sphären Theil nimmt. In dem Menschen sind nun alle 3 Sphären miteinander verbunden. Er ist der Mikrokosmus in dem Makrokosmus. Alles Geschaffene wird auf ein Magisterium magnum zurückgeführt u.s.w. Die Basis der ganzen körperlichen Welt bilden die 4 Aristotelischen Elemente; diese finden sieh, körperlich gedacht, in 3 Stoffen wieder, die PARACELSUS von seinem chemischen Standpunkte aus sich durch ihre chemischen Eigenschaften von einander unterscheiden lässt. Diese 3 Stoffe sind: l) Salz, d. i. der Begriff des Festen, aller der chemischen Stoffe, die durch das Feuer unzerstörbar sind; 2) Quecksilber, d. i. der Begriff des Flüssigen, das durch Feuer unverändert verflüssigt wird ; 3) Schwefel, d. i. der Begriff des Luftigen, das durch das Feuer nicht bloss zerstörbar, sondern auch gleichzeitig veränderlich ist. Diese 3 Begriffe werden rein symbolisch von PARACELSUS gebraucht für alle Stoffe, die sich ebenso in Bezug auf ihr Verhalten dem Feuer gegenüber qualificiren lassen. Das eigentliche Wesen liegt aber nicht in dem Stoffe, sondern in dem Geiste, in dem ihm eingepflanzten göttlichen Keime, in den Kräften, die sich aus ihm entfalten; diese werden als Quinta essentia, häufig auch als Archaeus, als das eigentlich Belebende von ihm bezeichnet. Der Mensch besteht nun, indem er an jenen 3 Sphären sich betheiligt, aus sieht- und fühlbarem Körper, sodann aus einer körperlichen Seele (Archaeus), der eben die an dem Organismus hervortretenden lebendigen Eigenschaften vermittelt und endlich aus der unsterblichen Seele. In seiner Pathologie unterscheidet er 4 Gruppen von Krankheitsursachen, sog. "Entia": 1) Ens deale, die göttliche Schickung; 2) Ens astrale, Einfluss der Gestirne, der sich namentlich als Quelle der pestilenzialischen, epidemischen Krankheiten kundgiebt: 3) Ens spirituale, archaeus, das geistige Element im Menschen, das er sich übrigens körperlich vorstellt; endlich 4) das Ens naturale, die den ganzen Menschen umgebende körperliche Welt, a) als Ens alimentorum et veneni und b) als Ens seminis, die Ursache der angeborenen und hereditären Krankheiten. Jede Krankheit kann nun von einem dieser Entia ihren Ursprung nehmen, indem diese eine chemische Einwirkung auf den Organismus hervorbringen, auf chemischem Wege Trennungen und neue Verbindungen bilden. Salz, Schwefel und Mercur erfahren mannichfache Veränderungen. Die Art, wie PARACELSUS nun die einzelnen Krankheitsformen auf die verschiedenen Veränderungen zurückführt, ist weiter nichts als ein subtiles Spiel mit Analogieen. - Den Mittelpunkt seiner Lehre bildet die Therapie. Der erkrankte Organismus wird gesund einerseits durch die ihm immanente Kraft, die er als Archaeus darstellt, die xxxx der griechischen Aerzte, und ausserdem durch directe ärztliche Eingriffe, und zwar nicht in dem Sinne der alten Medicin Contraria contrariis, sondern es muss nach PARACELSUS dieser Gegensatz zwischen Krankheit und Heilmittel in den Ideen liegen. Er sagt z. B. Wassersucht ist im Mikrokosmus Das, was Ueberschwemmung im Makrokosmus ist; so wie man nun Ueberschwemmung beseitigt durch Ableitung von Wasser, so glaubt er auch durch reichliche Entleerung die übermässige Feuchtigkeit zu entfernen. Die Kolik z. B. vergleicht er mit dem Winde und verlangt Wärme und Trockenheit bei der Behandlung derselben. Atrophieen und Phthisen vergleicht er mit der Austrocknung und empfiehlt die entsprechenden Mittel, die der Idee nach direct entgegengesetzt sind u.s.w. Eine zweite Methode der Behandlung ist die durch Arcana, d. h. durch Substanzen, die durch die in ihnen in....
[Bookseller: Antiquariat für Medizin - Fritz-Dieter S]
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