Jacobus de Marcepallo).
Tractatus in elucidationem cuiusdam hostie rubricate in urbe inclita Berna.
- [Basel, Petri oder Lamparter, um 1509].20 unnum. SS. Mit großem Titelholzschnitt. Geheftet. 4to.Einzige Ausgabe. Die Abhandlung geht zurück auf einen Auftrag des Bischofs von Lausanne, der zu klären versuchte, ob die zur Vortäuschung des Blutes für Jetzer rotgefärbte Hostie ihre heiligen Eigenschaften behalte - eine Frage, die der Kirchenrechtler Jacques de Marcepalle (Mareschal) hier verneint. - 1507 war der Schneidergeselle Johann Jetzer aus Zurzach als Novize ins Predigerkloster in Bern eingetreten und hatte Erscheinungen simuliert. Nach seiner Entlarvung beschuldigte er die Mönche, ihn mit Hilfe des Teufels mißbraucht zu haben. Im anschließenden Ketzerprozeß wurden die beschuldigten Mönche verhaftet und nach Folterung zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Erst im 19. Jahrhundert stellte sich heraus, daß die Mönche Opfer eines Justizmordes geworden waren (vgl. Steck, Der Berner Ketzerprozeß. Bern, 1902) noch die ADB stellt Jetzer als Opfer betrügerischer Dominikaner dar. - Der Titelholzschnitt zeigt die vier Mönche am Fußende der Lagerstatt des an seinen Stigmata leidenden Jetzers im Hintergrund eine Pieta unter einem Baldachin. "Nun könnte der Holzschnitt aber gar nicht besser passen in das Werk Urs Grafs, zwischen die großen Holzschnitte für die sog. Ringmann-Passion von ca. 1506 und das Leben Jesu von 1508 in Strassburg und die Baseler Karthäuser von 1510 [...] Obwohl in der Urs Graf-Literatur bisher unbemerkt, [...] dürfte der Reisser des Holzschnittes damit feststehen, ebenso das Datum des Drucks, mindestens der Druckplanung" (Hieronymus 47). - Durchgehend schwach gebräunt wenige Bll. etwas wasserrandig. Buchblock nach Lage a gebrochen. - Hain 10747. Goff M-231. VD 16, J 135. BM-STC German 594. Schreiber V, 4564. OCLC 54270827. Nicht bei Adams.
[Bookseller: Antiquariat Inlibris]
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