Pinder, Ulrich.
Die Bruderschafft sancte Ursule. Mit 2 blattgroßen Holzschnitten (davon 1 Porträt) und einer Melodie in Holzschnitt. Nürnberg, Ulrich Pinder, 1513. 28 Bll. Kl.-4°. Neuerer Ppbd. aus altem Material.
. Kleines Werk (nach heutigen Maßstäben wohl Rechenschaftsbericht und Werbeschrift) mit Abschnitten über Herkommen, Nutzen und Aufgaben sowie einer Aufstellung bisher geleisteter barmherziger Unternehmungen der Bruderschaft "Sankt Ursule Schifflein". - Katholische Bruderschaften, deren Ursprünge bis ins 4. u. 6. Jahrhundert zurückgehen, sind an einer bestimmten Kirche oder Kapelle als Körperschaften errichtete Vereinigungen, deren Zweck in der Verpflichtung zu freiwilligen Werken der Frömmigkeit, Buße und Nächstenliebe besteht. Die vor allem im Mittelalter aufblühenden Bruderschaften bestanden meist aus Laien und veranstalteten eigene Andachten, Prozessionen und Wallfahrten. Ihren Namen leiteten sie in der Regel von ihrem Zweck oder einem Heiligen ab, in unserem Falle der Heiligen Ursula. - Nach Pinders Darstellung sollen die Anfänge der Bruderschaft bei den Kartäusern in Straßburg gelegen haben, jedoch ist mit der Hauptlegende der Heiligen Ursula vor allem die Stadt Köln verbunden: Die im 3. Jahrhundert vermutlich als englische Königstochter geborene Ursula verlobte sich trotz Keuschheitsgelübde mit dem jungen christlichen Fürsten Ätherius, der daraufhin vom König ein Stück Land (die Bretagne) in Frankreich geschenkt bekam. Ursula sollte ihrem Verlobten später mit ihren 11.000 Gefährtinnen folgen. Ihr Schiff verirrte sich jedoch im Ärmelkanal, fuhr den Rhein hinauf nach Köln und geriet unter die Hunnen, die zu dieser Zeit (und noch heute?) in Köln regierten. Die Gefährtinnen wurden misshandelt und massakriert und Ursula starb durch einen Pfeil ins Herz, als sie sich einer Heirat mit dem Hunnenkönig verweigerte. Daraufhin erschienen 11.000 Engel am Himmel, die die Hunnen aus der Stadt vertrieben (vergl. den wunderbaren "Heiligenkalender" der "Kirchensite-online" des Bistums Münster). - Der ganzseitige Holzschnitt auf der Titelrückseite (dat. 1512) zeigt eine Allegorie auf "Sant Ursula Schiflein", der Porträtholzschnitt (dat. 1510) "Görg Ranschawer aus Praunaw". Das Büchlein enthält außerdem ein 12strophiges Lied "vber sant Ursulen schiflein" samt zugehöriger Melodie von dem Pfarrherrn und Doktor Johannes Gosseler aus Regensburg (an anderer Stelle: Ravensburg). - Frühere Berichte über die geistliche Bruderschaft Sanct Ursula (mit Lied) erschienen laut RISM DKL in Straßburg in den Jahren 1481, 1497 u. 1502. Der Autor vorliegender Ausgabe, Ulrich Pinder, war 1489-1492 Leibmedicus des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, von 1493-1519 bestallter Arzt der Stadt Nürnberg. Um seine vielen Schriften, die er nebenbei verfasste, drucken zu können, richtete er sich mit Hilfe des Druckers Friedrich Peypus in seinem Hause in Nürnberg eine eigene Offizin ein (ADB XXVI, 149f.) - Etwas fingerfleckig, Titel u. rückseitiger Holzschnitt mit sehr sauber u. fachgerecht restauriertem und ergänztem Ausriss (ohne Textverlust, geringfügiger Bildverlust faksimiliert), vorletztes Bl. mit kleiner, rep. Fehlstelle im weißen Rand, Randausriss im letzten Bl. kaum sichtbar angerändert (dabei 6 Buchstaben am Rand des Impressums faksimiliert). - RISM DKL, 1513.01 (3 Ex.) - Bäumker I, 61 - Wackernagel 63..
[Bookseller: Musikantiquariat Dr. Werner Greve]
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