AGRICOLA, Georg (1494-1555)].
Rechter Gebrauch d'Alchimei, Mitt vil bißher verborgenen, nutzbaren vnnd lustigen Künsten, Nit allein den fürwitzigen Alchimis=misten, Sonder allen kunstbaren Werckleutten, in und ausserhalb feurs. Auch sunst aller menglichen inn vil wege zuge=brauchen. Die Character, Figürliche bedeuttungen, und namen der Metall, Corpus und Spiritus. Der Alchimistischen verlateineten w[oe]rter außlegung .
- Kl.-4to (191 x 140 mm). Mit halbseitigem Titel-Holzschnitt (Innenansicht einer Mineralienhandlung). (XXVII, [1] Bl. (das letzte leer). Moderner Halbkalbslederband, mit Rückentitel in Goldprägung. [Frankfurt am Main, Christian Egenolf], (1531). Erstausgabe der Urform des 'Kunstbüchlein', die erste gedruckte deutschsprachige Quellenschrift mit Rezepten zur Metallverarbeitung und Alchemie. Traditionell funktionierte die Welt des Handwerks bis zur Renaissance unabhängig vom geschriebenen Wort, erwarb doch der Berufsmann seine Kenntnisse allein durch praktisches Handeln unter einem Meister und nicht durch das Studium von Unterrichtwerken. Zu den bedeutendsten Beiträgen des Buchdrucks im 16. Jahrhundert gehört denn auch die Bereitstellung technischer Leitfäden und technologischer Handbücher für den Handwerksmann. Als bedeutendster und populärster deutscher Fachtext dieser Richtung gilt das sogenannte Kunstbüchlein, dessen Beginn unser Text markiert. Die Georg Agricola zugeschriebene Verfasserschaft dieses für die Verbreitung technischen, chemischen und kunsttechnologischen Wissens in der Neuzeit höchst bedeutsamen Werks, geht auf Karl Christian Schmieders Geschichte der Alchemie von 1832 zurück, bleibt aber ungesichert. Der aus spätmittelalterlichen Handschriften zusammengetragene Fachtext mit Anweisungen für Metallprüfung und -bearbeitung, für die Herstellung von Legierungen, Farben und Tinten, sowie chemischen und alchemistischen Rezepturen wurde in der Folge von nahezu allen, vor allem in Süddeutschland aufgelegten, volkstümlich belehrenden Kunst- und Probierbüchlein verbreitet, wie z.B. in Petrus Ketzenmachers Alchimia von 1539. Das bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts in mindestens zehn Auflagen nachgedruckte Augsburger Kunstbüchlin von 1535 übernahm nicht nur sämtliche hier erstmals gedruckten Rezepte, sondern beliess sie auch in der selben Reihenfolge. Es sollte "allen fürwitzigen Alchimisten und kunstbaren Werckleuten", wie Goldschmieden, Malern und Illuministen, aber auch den Münzbeamten, als Rezeptsammlung dienen. "The remarkable staying-power of the 1531 receipts . [and] that they had such a long life more or less independently of the Kunstbüchlein of 1535 and its types is, I believe, due to the widening readership . and to their incompatibility with the more complex metallurgical processes, practicable only by a much more skilled and well-equipped, but more restricted craft-audience" (David L. Paisey). Der Buchdruck ermöglichte also erstmals eine Verbreitung berufsbezogenen Wissens, unabhängig von der bis dahin üblichen landschaftlich begrenzten oder werkstattgebundenen Überlieferung. Die Praktikabilität der enthaltenen Rezepturen wird durch die weite Verbreitung auf das Eindrücklichste belegt und lässt so Schlüsse zu über das kunsttechnische Wissen an der Schwelle zwischen mittelalterlicher Tradition und neuzeitlichen Erkenntnissen der Renaissance. Gedruckt wurde unser Text - ohne Hinweis auf Drucker und Druckort - von dem seit 1530 in Frankfurt am Main als selbständiger Druckerverleger wirkenden Christian Egenolf (1502-1555), der sich vor allem auf wissenschaftliche, philologische und historische Texte spezialisierte. Das am Schluss gedruckte sechszeilige Gedicht "Acht stuck volgen der Alchamei // Rawch, aeschen, vil wort, und untrew // Erseufftzen tieff, und schwer arbeyt // Unwird, armut, und dürfftigkeit // Wiltu des allen bleiben frei // So hut dich vor der Alchamei//" ist nach V. F. Brüning "ein Vorläufer(?) des berühmten Kometengedichts 'Acht ding sein, die ein Comet . ". Der halbseitige Holzschnitt auf dem Titelblatt zeigt den Blick in das Innere einer Edelsteinhandlung. - Ein tadellos sauberes, breitrandiges Exemplar, von grösster Seltenheit. ZENSUS: HAB Wolfenbüt [Attributes: Hard Cover]
[Bookseller: Erasmushaus - Haus der Bücher AG]
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