Annius de Viterbo. Johannes (d. i. Giovanni Nanni) (Anonym).
Auctores vetustissimi nuper in lucem editi.
O. O. (Venedig), (in fine:) Bernadinus de Vitalibus (nicht vor August) 1498. 4°. Mit 17 Holzschnittinitialen. Römische Type. 29 Zeilen, einspaltig. 36 nnum. Bl. Halbpergamentband des 19. Jahrhunderts mit goldgeprägtem Rückenschild (leicht fleckig, Rücken mit wenigen kleinen Wurmstichen, Rückenschild mit kleinen Absplitterungen, Ecken etwas bestoßen). - Eine von nur zwei Inkunabelausgaben der wohl berühmtesten literarischen Fälschung der Zeit. - HC 12527 (unter Pausanias); CR 724; IGI 944; GW 2016; BMC V, 548. - Einzige reine Textausgabe des 15. Jahrhunderts. Vorangegangen war nur eine Kommentarausgabe (Rom, Silber 10. Juli 1498), die nicht zuletzt als erste erschien, "um seine oft nur in Bruchstücken dargereichten 'Funde' zu erläutern und ihnen durch Querverweise auf etablierte antike Autoren Glaubwürdigkeit zu sichern" (Hutter, German. Stammväter .., S. 37). - Giovanni Nanni, 1493 von Papst Alexander VI zum Chefzensor des Vatikan berufen, veröffentlichte mit den "Auctores vetustissimi" fünf Jahre später "in Venedig ein Buch, das bald in ganz Europa für Aufsehen sorgte. Dies 'Neulich ans Licht gebrachten ältesten Autoren" beinhalten eine Sammlung von bislang unbekannten Texten und Fragmenten alter Autoren, die Annius selbst verfaßt hatte, seinen Lesern aber als Entdeckungen antiker Schriften präsentierte. Der Leser fand in diesem Werk allerhand Sagenhaftes wie Berichte über die älteste Stadt der Welt vor der Sündflut oder den Ort des Paradieses" (Hutter, 37). Unter den 17 Texten erregten besonders die fünf Bücher des Berosus Babylonicus Interesse, da sie die aktuelle Diskussion um die Urgeschichte der europäischen Volker im Anschluß der biblischen Sündflut bediente. - 1502 soll Nanni schließlich wegen zu nachhaltiger Aufklärung der Verbrechen Cesare Borgias vergiftet worden sein. - Die schönen floralen Holzschnittinitialen des Drucks stammen aus dem Arabesken-Alphabet des Bernardinus de Vitalibus. Butsch (S. 6/ Tafel 6) bezeichnet sie als ganz vom Geiste Gionanni Bellinis durchdrungen. - Gering fleckig, Titel und letztes Blatt etwas stärker. Erste und letzte Blatt mit geringer Wurmspur im weißen Rand. Letztes Blatt mit geringfügigem Loch (minimaler Buchstabenteilverlust). Titel mit gestrichenem Besitzvermerk am unteren Rand. Insgesamt gut erhaltenes Exemplar des schönen Drucks..
[Bookseller: Antiquariat Christoph Sebald]
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