OVIDIUS NASO, Publius (43 v. Chr.-17 n. Chr.).
Metamorphoseos vulgare novamente stampato. Diligentemente correcto & historiato.
Kl.-Folio (288 x 201 mm). Titel in Rot und Schwarz innerhalb figürlicher Holzschnitt-Bordüre (u.a. mit Anbetung der hl. drei Könige und der Verkündigung), mit ornamentaler Eingangsinitiale und mit grosser, in Rot gedruckter Druckermarke in Holzschnitt, auf Schlussblatt recto in Schwarz wiederholt. Blatt I mit Holzschnitt (Die Erschaffung der Welt) und 2 grossen Holzschnitt-Initialen innerhalb 17teiliger Holzschnittbordüre, mit 55 weiteren, teilweise wiederholten Holzschnitten (67 x 105 mm) und sehr vielen schwarzgrundigen Holzschnitt-Initialen im Text. [2], 106 römisch folierte Bl. Zweispaltiger Druck. Nussbrauner Pastiche-Einband im Stil des 16. Jahrhunderts, Rücken über 5 erhabenen Bünden, beide Deckel mit dreifachem Rahmen und floralem Mittelstück in Blindprägung. [Milano], Venditur apud Gorgonzolam ad signum stelle (per Rocco & fratello da Valle, ad instantia de Niccolò da Gorgonzola, 30 de Agosto 1520). Ebenso schöne wie seltene illustrierte Mailänder Ovid-Ausgabe des Druckerverlegers Niccolò Gorgonzola (1462-1537). Gegenüber seinen beiden vorausgegangenen Drucken der Metamorphosen von 1509 (nur mit einem Holzschnitt) und 1518 (nur mit fünfzehn Illustrationen ausgestattet) wurde hier eine stark erweiterte und wohl neu geschnittene Folge von Holzstöcken verwendet, von denen insgesamt 56, teilweise wiederholte, Abzüge Verwendung fanden. Als unmittelbare Vorlage dienten die Holzschnitte der dritten Rusconi Ausgabe vom April 1517, die selbst wiederum auf die grossartige Folge der 1497 von Giovanni Rosso für Lucantonio Giunta gedruckten venezianischen und ersten Volgare-Ausgabe zurückgehen. Wie jene folgenreichen Holzschnitte von 1497, die weit ins 16. Jahrhundert hinein die Vorlage der meisten Ausgaben lieferte, rekurrieren auch die vorliegenden 56 Holzschnitte nicht auf Ovids Originalfassung sondern auf Bonsignoris Volgare-Text. Die Holzschnitte sind "weder allegorische oder emblematische Momentaufnahmen noch Kommentare oder Interpretationen zum Text, sondern Szenenzusammenstellungen, d.h. einzelne Schritte eines Handlungsablaufes werden in mehreren Szenen verbildlicht, so dass sie der reinen Inhaltsvermittlung dienen" (Evamaria Blattner, S. 129). Die italienische Übersetzung oder vielmehr Adaption von Ovids Metamorphosen verfasste der Dominikanermönch Giovanni die Bonsignori in den Jahren 1375-1377. Mit seiner Einfachheit und Klarheit sowie mit den verständlich verfassten Erklärungen behielt Bonsignoris Textversion bis weit ins 16. Jahrhundert hinein Gültigkeit. Der Volgare-Text richtete sich mit seiner einfachen Sprache und den verständlich gehaltenen Kommentaren klar an ein breites bürgerliches Publikum, an wissbegierige Leser, Frauen und Geschäftsleute, Handwerker und Händler. Erschien die früheste illustrierte Ausgabe der Metamorphosen 1484 in Brügge und nicht etwa in Italien, so dominierten dann aber doch ab 1497 die italienischen Vorlagen die Ikonographie von Ovids Metamorphosen. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts weist E. Blattner nebst alleine 47 venezianischen noch acht weitere in Italien (Brescia, Parma, Perugia und Mailand) gedruckte Ausgaben nach. - Das letzte Bl. mit vier (drei alt hinterlegten) Wurmlöchern, nur sehr wenige, minimale Stockflecken. Ein superbes Exemplar in einem schönen Pastiche-Einband. Languet de Gergy (gestochenes Ex libris des 18. Jh.s; vgl. Olivier 2420). - Henri Burton, Lyon-Genève. Ganda, Niccolò Gorgonzola, 71 8 (nur 4 Exemplare); Sander II, 5336; Sandal 57; STC, (Italian), 479; Kristeller, Die lombardische Graphik der Renaissance (1913), 268b; ICCU (Online Kat.) 076272 (1 Ex. BNU Torino); Edit 16 (Online Kat.) CNCE 49826 (2 Ex. in Mailand und 1 in Modena); Guthmüller, Ovidio ... Formen und Funktionen der volkssprachlichen Wiedergabe klassischer Dichtung in der ital. Renaissance (1981), S. 286, Nr. 7; vgl. E. Blattner, Holzschnittfolgen zu den Metamorphosen des Ovid: Venedig 1497 und Mainz 1545 (1998). As beautiful as very scarce Milan edition of Ovid's Metamorphoses by the publisher and printer Niccolò Gorgonzola (1462-1537). After his preceding two prints of Ovid's Metamorphoses of 1509 (with a frontispiece only) and 1518 (with fifteen woodcuts only) Gorgonzola's printers, Rocho da Valle and his brother, used for the present edition a considerably augmented set of blocks, of which 56 woodcuts were printed here. The cuts are based on the third Rusconi edition of April 1517, which itself was copied after the beautiful series of the Venice and first volgare-edition of 1497 printed by Giovanni Rosso for Lucantonio Giunta, and which would dominate the iconography of the Metamorphosis up to the end of the 16th century. The woodcuts do not refer back to Ovid's original verses but to Bonsignori's vernacular version, written together with his commentary between 1375 and 1377 (cf. Huber-Rebenich 1995). The woodcuts are "weder allegorische oder emblematische Momentaufnahmen noch Kommentare oder Interpretationen zum Text, sondern Szenenzusammenstellungen, d.h. einzelne Schritte eines Handlungsablaufes werden in mehreren Szenen verbildlicht, so dass sie der reinen Inhaltsvermittlung dienen" (Evamaria Blattner, p. 129). Bonsignori's vernacular text and plain commentary was directed to the common reader and remained the standard venacular version up to the end of the 16th century. - Last leaf with four (three old underlaid) wormholes, only a few minor foxing. A superb copy in a fine pastiche binding. - 19th century brown calfover pasteboard, back on five raised bands, with blind-tooling.
[Bookseller: Erasmushaus - Haus der Bücher AG]
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