Paulus Orosius:
Historiae adversus gaganos. (GWM 28416, H 12101). Fragment Buch 1 bis 5 (von 7). Editio Princeps.
Augsburg, Johann Schüssler, 7. Juni 1471. Type 1.. Neuer Halbpergamenteinband mit Kibitzpapier bezogenen Deckeln aus einer Restaurierungswerkstatt. Handschriftlicher Titel auf Rücken. Im Schnitt etwas gebräunt. Original Inkunabelfragment mit 67 (von 130) 35-zeiligen Blättern. Blätter mit Resten von ledernen Blattweisern und zahlreichen roten Lombarden z. Teil mit Randausläufern. Einige Marginalien der Zeit. Seiten mit Blattbezeichnung von alter Hand, breitrandiges Exemplar, Papier mit dem Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen - Darüber zweikonturige Stange - Darüber Krone - Darüber Kreuz, Einzelblattgröße: 21,5 x 31 cm.. Die fehlenden Texte am Ende der Historia werden durch leere Büttenpapierblätter angedeutet. Das Wasserzeichen ist identisch mit dem WZ des Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Bestand J 340 WZ-Sammlung Piccard Nr. 070664. Paulus Orosius (um 385 - um 418) war ein in Bracara Augusta (Braga / Portugal) geborener spätantiker Historiker und christlicher Theologe. Seine im Jahr 418 veröffentlichte "Historiae adversum paganos libri VII" ist der erste Versuch, die Universalgeschichte einer christlichen Grundidee zu verfassen und ist sein berühmtestes Werk. Für die Abfassung seines historiographischen Werkes besuchte Osorius 413/4 n. Chr. Augustinus in Karthago und im darauffolgenden Jahr 415 Hieronymus in Bethlehem. Der Nordafrikaner Augustinus begann zum gleichen Zeitpunkt seine 'De Civitate Die', die er von 413 bis 426 schrieb. Orosius übertrug die Ideen des Augustinus (354 - 430) auf seine Geschichtsschreibung. So macht der Prolog offensichtlich, dass Orosius seine Historiae auf 'Befehl' des Augustinus verfasste: "Pauli horosii presbiteri historiographi ... Receptis tuis parui beatissime pater augustie ...". (Orosius, 1471 Historiae). Seine Geschichte umfasst, wie er selbst schreibt, die Zeit von der Erschaffung der Welt bis zu seiner eigenen Zeit. Er hält das Erscheinen Christi als den wesentlichen Einschnitt in der Geschichte. Seine Historiae endet mit der chaotischen Situation auf der Iberischen Halbinsel im Jahre 418 als Folge der babarischen Invasionen. Seine Historiae ist aber vor allem auch eine Apologie, eine Verteidigung des Christentums gegen die Heiden, die im Gegensatz zur zyklische Auffassung der Heiden, das lineare Geschichtsbild (Adam Christi Gericht) der Juden und Christen aufweist. Er selbst glaubt an die Vorsehung, deren Walten darzulegen, Hauptziel des gesamten Werkes ist. Die Quellen, derer sich Orosius bediente, wurde von T. de Morner ermittelt: neben dem Alten und Neuen Testament scheint er vor allem Caesar, Livius, Junianus Justinus, Tacitus, Sueton, Florus und eine Kosmographie herangezogen und zudem großen Wert auf Hieronymus Übersetzung der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea gelegt zu haben. Die Historiae des Orosius, die hier als Fragment der ersten fünf Bücher in der Editio Princeps vorliegt, erfuhr im Mittelalter eine große Ausbreitung. Nach dem Werk des Paulus Orosius Historiae adversum paganos libri VII gibt es keine andere systematische Auslegung der Weltgeschichte in der Spätantike. Die früheste bekannte Beschäftigung mit der Chronologie begann mit Apollodorus von Athen (180 - 120 v. Chr.) und Kastor von Rhodos (1. Jhd. v. Chr.). Nach 221 n. Chr. wird die erste christliche Weltchronik durch Sextus Julius Africanus veröffentlicht. Es ist eine chronistische Zusammenfassung von Adam bis 217 n. Chr.; wobei die Geburt Christi auf das Jahr 5500 nach der Weltschöpfung festgelegt wird. Eine künftig bestimmende Chronologie der Weltgeschichte führte Eusebios von Kaisareia (260 - 330) mit seiner Chronik ein, die später von Hieronymus (385 - 420) bis 378 n. Chr. fortgesetzt wurde. Die Weltchronik von Eusebius übertrug das weltgeschichtliche Denken des Alten Testamentes in das Mittelalter. Die Plünderung Roms durch die Goten im Jahre 410 forderte eine christliche Antwort auf die Schuldzuweisungen der "Heiden" an die Christen heraus. In diesem Zusammenhang enstanden die Bücher "De Civitas Dei" des Augustinus zwischen 413 und 426 und die des Paulus Horosius zwischen 413 - 418 nach Christus (vgl. Jose Miguel Alonso-Nunez, Die Universalgeschichte in der Spätantike und die Westgotische Historiographie, In: Zwischen Historiographie und Hagiographie, Altertumswissenschaftliches Kolloquium, Franz Steiner Verlag 2005).
[Bookseller: Versandantiquariat Christine Laist]
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