Stephan Fridolin:
Schatzbehalter. 41. und 42. Figur. (GW 10329, H 6236).
Nürnberg, Anton Koberger, 8. November 1491. (Lt. Polain 18. November 1491). O-Inkunabelblatt mit zwei ganzseitigen, unkolorierten Holzschnitten. Im Randbereich etw. fingerfleckig. Blattgröße: 20,8 x 29,3 cm. Ein digitales Bild des rückseitigen Holzschnittes senden wir gerne zu. Incunabula text woodcut leaf.. Die Bilder zeigen die kulturhistorisch interessanten Details eines Hochzeitsmales des ausgehenden 15. Jhd.. Der Schatzbehalter ist neben der Schedelschen Weltchronik das schönste deutsche illustrierte Buch der Inkunabelzeit. Von diesem Werk erschien nur eine einzige Ausgabe mit 96 ganzseitigen Holzschnitten, die z.T. unter Mitarbeit von Albrecht Dürer entstanden. Laut Richard Bellm wurde das Werk nur in einer Auflage von 150 Exemplaren gedruckt (P. St. Fridolin, 1962). Der angesehene Nürnberger Franziskaner-Observant Stephan Fidolin (um 1430 - 1498) wirkte seit 1480 als Lektor des Nürnberger Franziskanerklosters und viele Jahre als Prediger und Beichtvater der Klarissen. Diese Aufgaben bestimmten seine schriftstellerische Tätigkeit. Seine erfolgreichsten, anonym erschienenen Erbauungs- und Andachtsbücher waren der Schatzbehalter, der "geistliche Herbst" und der "geistliche Mai". Die Autorenschaft Fridolins ist durch eine zeitgenössische handschriftliche Eintragung aus dem Kloster Rebdorf gesichert. Der "Schatzbehalter", der hundert Betrachtungspunkte (gegenwürff) des Leidens Christi abhandelt, ist für Laien bestimmt. Fridolin war an der Ausarbeitung des ikonographischen Programms beteiligt. Durch die 96 ganzseitigen Illustrationen aus der Nürnberger Werkstatt von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff erlangte die Druckausgabe Berühmtheit. Die Bedeutung dieser Ausgabe liegt in Gestaltungsabsicht und der Komposition: "... Das ettliche gegenwürff von pildwerck figuren haben, umb der layen willen, für die diß büchlein allermaist entworffen ist ...". Das Blatt belegt den gewachsenen Sinn für Hell und Dunkel im Holzschnitt, das Streben nach Ausdrucksvielfalt und die Weiterentwicklung des linearen Holzschnitts zur malerisch-plastischen Buchillustration. (Becker/Overgaauw: Aderlass und Seelentrost, 2003, 236).
[Bookseller: Versandantiquariat Christine Laist]
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