DONI, ANTON FRANCESCO.
I MARMI. VENEDIG, FRANCESCO MARCOLINI, 1552.
2 Baende (statt 4) in einem. 167, (1) SS. 119, (1) SS. Mit 2 Holzschnittdruckermarken an den Titeln, einem ganzs. Holzschnittportrait, zus. 16 meist halbseitigen Textholzschnitten sowie zahlr. Zierstuecken und Initialen in Holzschnitt. Flexibler Pergamentband der Zeit mit etwas spaeterem hs. Rueckentitel. 4to. Erste Ausgabe. - Eines der schoensten manieristischen Holzschnittbuecher Marcolinis, "reich mit figuerlichen Darstellungen aus dem 'Giardino', sehr guten Bildnissen beruehmter Zeitgenossen und Ornamentstuecken ausgestattet" (Kristeller, Kupferst. u. Holzschn., S. 288). Der Buchschmuck aus frueheren Publikationen Marcolinis und Donis wiederverwendet: "the mixture of illustration is related to Doni's construction of his books out of dialogue, philosophical discourse, anecdotes, multiple dedications, and addresses to the reader" (Mortimer). Die kuriosen und satirischen Dialoge der "Academia Peregrina" ueber Kunst und Leben angesichts der Marmorskulpturen im Dom von Florenz sind den Gespraechsteilnehmern vom Verfasser in der verwandelten Gestalt eines kleinen Singvoegelchens abgelauscht. Schon der erste Dialog ist fuer die Rezeptionsgeschichte der kosmologischen Umwaelzungen im 16. Jahrhundert bemerkenswert: Der Buffo Carafulla verficht eben neun Jahre nach Kopernikus' "De revolutionibus" (und 80 Jahre vor Galileis "Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo") das heliozentrische Weltbild ("Il sole non gia, noi giramo; la terra e quella che si volge, non sai tu che il cielo si chiama fermamento; & quando costa vanno a torno alla terra e dicono io ho girato tutta la cosmographia" (I, 18). - Ausserdem zahlreiche selbstreflexive Bemerkungen zum Buchdruck: "A dialogue on the value of printing is given in part 2 [...] Gutenberg is named as inventor of printing in the year 1440 [...] There is a tribute to Aldo Manuzio" (Mortimer); ferner eine euphorische Beschreibung des zeitgenoessischen Stands der Druckkunst, Typographie und Buchillustration (II, 7). - Anton Francesco Doni (1513?-74), "ein Mitglied der Academie der Peregrini, in welcher er den Nahmen Bizarro gefuehret, [...] war anfaenglich ein Servit, verliess aber um 1539 den Orden und wurde ein weltlicher Priester. Seine Geschicklichkeit in der Music machte, dass er an viele Orte verlanget wurde [...] Aber seine geruehmten Inventionen haben bey klugen Leuten neimals vielen Beyfall gefunden, indem der groeste Theil auf lauter abgeschmackte und kindische Wortspiele hinauslaeuft" (Joecher [1750]). Der vielseitig begabte Doni (vgl. auch Eitner III, 230) gilt als italienischer UEbersetzer der "Utopia" des Thomas Morus und als geistiges Bindeglied zwischen diesem und Campanella. - Sauberes, kaum gebraeuntes Exemplar. Am letzten Blatt verso hs. Besitzvermerk der Zeit "[Giovanni] Batt[ist]a de Blanchis de Vallate". Am vorderen Vorsatz zeitgenoess. hs. Vermerk: "A di' 2 magio 1553 ch[e] fu m[ar]tedi' a hore 20 si parti' da M[i]l[an]o per Ven[egi]a il mag[nifi]co m[ess]er Io[anni] Andre[a] d'Anno[ne]" ("Am 2. Mai 1553, dienstags um die 20. Stunde, brach auf von Mailand nach Venedig der beruehmte Meister Giovanni Andrea d'Annone"). Der Genannte ist moeglicherweise zu identifizieren mit dem Architekten Andrea Vannone, der 1539 den Palazzo Nuovo in Bergamo baute. - Spaeter in der Sammlung des Wiener Militaers, Landschaftsmalers und Kartographen Franz Ritter von Hauslab (1798-1883) mit seinem herald. Exlibris am vorderen Innendeckel; danach in der Sammlung des Wiener Brauindustriellen und Sammlers Josef Wuensch (1843-1916) mit seinem Exlibris am Vorsatz. Edit 16, CNCE 17692. Mortimer I, 165. Adams D 824. BM-STC Italian 225. Parenti 210. Cicognara 115. Brunet II, 813. Gamba 1368. Joecher II, 187 (falsch: "i Marini"). Olschki (Choix) IV, 4479. OCLC 3500155.
[Bookseller: Antiquariat INLIBRIS - Wien - Austria]
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