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Freidank (gest. ca. 1233); Brant, Sebastian (1457 - 1521)

Der Freidanck newe mit figuren. Fügt Pfaffen, Adel, Leyen, Buren. Man hielt etwan vff keyne spruch nicht, Welche nit herr Freidanck het gedicht. Das laße dich nit wunder nemen, Dan, wiltu lern dein leben zemen. Von vntugend vnd schand abziehen, Ja, der welt üppigkeyt recht fliehen. Wirt dir diser Freidanck bricht geben, Auch dz du könst nach fromkeyt strebe. Nach welcher das ewig leben geht, Wol dem, der bei diser ler besteht.

      Worms, Sebastian Wagner, [1539].. 2. Auflage. 4°; 28 cm hoch, 19,5 cm tief. +3, A-K3 (K4 fehlend) = 3 nn. Bll., 39 (von 40) Bll., Referenz: VD16: F 2546 Kalbsledereinband des 19. Jahrhunderts. Guter bis sehr guter Zustand.; 2. Alte DruckeSchöne, sehr reich illustrierte Ausgabe von Freidanks mittelhochdeutscher Sprüchesammlung in der Bearbeitung von Sebastian Brant. Das Werk enthält insgesamt 50 äußerst prachtvolle Text-Holzschnitte (auf fast jeder Seite einen). Diese zeigen sehr vielfältige Szenen der spätmittelalterlichen Lebens- und Vorstellungswelt, darunter eine große Abbildung des Papstes und des letzen Abendmahls, verschiedene Fürsten, Narren, Liebende, Familien, Kranke, Bettler, Bewaffnete oder auch Dämonen. Die Holzschnitte sind dabei äußerst kräftig abgedruckt und bieten dem Betrachter somit einen wunderbaren Anblick. Das Titelblatt zeigt zwei prächtig gekleidete Männer. Die Szene wird von einem sehr detailliert gestalteten Zierrahmen mit figürlichen Darstellungen, darunter bekleidete Tiergestalten mit Lanzen umgeben. Weitere Bordüren ähnlicher Gestaltung finden sich auch in der Vorrede und im Inhaltsverzeichnis, wobei hier neben menschlichen Figuren auch Fabelwesen, wie z.B. Drachen abgebildet werden. Kalbsledereinband des 19. Jahrhunderts mit goldgerahmten Deckeln, goldgeprägten Rückentitel, marmorierten Vorsätzen und einem marmorierten, dreiseitigen Buchschnitt sowie einem grünen Lesebändchen. [Zustand des Einbandes: 2+ / Zustand des Papiers: 2 / Sonstige Anmerkungen: Der Einband ist berieben und an den Ecken leicht bestoßen. Das Papier ist in einem guten Zustand. Wenige Seiten sind sehr leicht wurmstichig und etwas fleckig. Bei Blatt XX wurde eine Ecke ausgebessert. Es fehlt das letzte Blatt (K4) mit einem Teil des Registers und dem Kolophon. Alles in allem ist das Werk für sein Alter jedoch in einem hervorragenden Zustand.] Freidank (gestorben um 1233) war ein fahrender Geistlicher des frühen 13. Jahrhunderts. Über ihn selbst ist nichts überliefert, so dass man lediglich aus seinem Werk einige Schlussfolgerungen auf sein Leben ziehen kann. Die einzige seiner Schriften, die bis heute überliefert wurde, trägt den Namen "Bescheidenheit". Es stellt eine nach 53 Themen geordnete Sammlung von mittelhochdeutschen Reimen dar, in denen sich der Autor kritisch mit den gesellschaftlichen Zuständen des Hochmittelalters auseinandersetzt. Eine Vielzahl von erhaltenen Handschriften sowie eine Übersetzung ins Lateinische lassen auf eine große Popularität der "Bescheidenheit" im Hoch- und Spätmittelalter schließen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahm sich der Humanist und Verfasser des berühmten Narrenschiffes, Sebastian Brant (1457 - 1521), des Werkes an und veröffentlichte 1508 bei Johann Grüninger in Straßburg eine grundlegend neue Bearbeitung des Stoffes, die unter anderem zahlreiche Holzschnitte, gedruckte Marginalien und ein Register enthielt. Im Jahre 1538 veröffentlichte Sebastian Wagner in Worms eine Ausgabe der Brant'schen Bearbeitung, die sich stark an der Straßburger Vorlage orientierte. Dabei benutzte er auch einen Teil der Holzschnittblöcke, die schon in der Erstausgabe verwendet wurden. Offensichtlich erfreute sich das Werk großer Beliebtheit, denn bereits ein Jahr später veröffentlichte Wagner eine zweite Auflage, die inhaltlich weitgehend identisch mit der vorherigen war. Wie Barbara Leupold in ihrer Dissertation "Die Freidankausgabe Sebastian Brants und ihre Folgedrucke" herausgefunden hat, enthält die zweite Auflage jedoch einen Fehler in der Paginierung (Bl. XXI wurde fälschlicherweise als XX angegeben). Aufgrund dieser Information, können wir auch das vorliegende Exemplar mit Sicherheit als die zweite Auflage identifizieren. Ein wunderbares Exemplar dieser frühen Freidankausgabe, das mit seinen vielen prachtvoll Holzschnitt-Illustrationen ein wunderbares Beispiel für die exzellente Buchkunst des frühen 16. Jahrhunderts darstellt.

      [Bookseller: Bibliopegi GmbH]
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