Stundenbuch nach dem Gebrauch von Rom.
Illuminiertes Manuskript auf Pergament.
Norditalien (Diözese Turin), 1470/1480.. 120 Bll. 140:115 mm, es fehlt ein Einzelblatt in Lage xii (Schluß der "Oratio S. Anselmi" vor dem "Officium Defunctorum", das bei der Neubindung im 18. Jahrhundert zur Gänze entnommen wurde); sonst vollständig. Kollation: i8, ii4, iii-xii8, xiii3 (statt 4), xiv-xvi8, xvii3 (statt 6: die drei letzten, weißen Bll. entnommen). Reklamenten für jede Lage, 16 Zeilen, Schriftspiegel 110:850 mm. Italienische Rotunda, Rubriken in Rot. Zahlreiche einzeilige Initialen, wechselweise in Blau bzw. Blattgold (auf weißem Bolus), 158 Blattgoldinitialen auf farblich unterschiedlich geteiltem Grund (Blau, Rot, Grün), belegt mit weißem oder gelbem Filigran. Eine fünfzeilige (21r), zwölf vierzeilige historisierte Initialen. Lederband des 18. Jhdt.s mit Deckelfileten und Resten von Schließen.. Das Stundenbuch wurde für einen Laien gefertigt, der dem Dritten Orden des hl. Franziskus nahestand. Dafür sprechen die im (nicht liturgischen) Kalender rot hervorgehobenen Feste des hl. Bernhardin von Siena und des Ordensgründers (4.10.), ferner die herausgehobene Stellung von Franziskus und Bernhardin von Siena in der Litanei (gleich hinter Benedikt), wie auch von Klara von Assisi und Elisabeth von Thüringen. Schließlich stützt ein kurz nach Fertigstellung der Handschrift auf Bl. 94v nachgetragenes Gebet, welches dem Offizium des hl. Franziskus entstammt, die Einordnung in einen solchen Kontext. - In Kalender und Litanei wird neben Franziskus überdies dreier großer Volksprediger gedacht, nämlich des Franziskaners Bernhardin von Siena, gest. 1444 (5v, 105r), des Dominikaners Vinzenz Ferrer, gest. 1419 (105r) und des Augustinereremiten Nikolaus von Tolentino, gest. 1305 (9r), wodurch das laikale Element nochmals unterstrichen wird. - Eigentümlich ist die Bebilderung der Texte, hat man doch das Marienoffizium gewöhnlich mit einem Kindheits- oder Passionszyklus ausgestattet, wobei die Verkündigung an Maria die klassische Eröffnungsszene vorstellt. Hier hingegen wurde in der ersten historisierten Initiale der heilsgeschichtlichen Bedeutung der Gottesmutter in Form eines eher abstrakten Andachtsbildes Genüge getan, um bei den nachfolgenden Gebetsstunden weitere Fürsprecher für das eigene Seelenheil bildlich Revue passieren zu lassen. Bemerkenswert ist vor allen Dingen die Auszeichnung des Hl. Michael, dem als einzigen eine fünfzeilige Initiale zugestanden wurde, während sich alle anderen Figuren in einen vierzeiligen Buchstabenkörper einfügen mußten. Über das Marienoffizium hinaus erstreckt sich die Bildlitanei noch über einen weiteren Text (59v), so daß insgesamt neun Heilige (Maria, Michael, Johannes der Evangelist, Katharina, Hieronymus, Johannes der Täufer, Antonius, Franziskus, Elisabeth) in Bildform kommemoriert werden. - Einige Bll. (vor allem das erste) stärker berieben; im Kalender die Schmuckintialen bei der Neubindung beschnitten, einige (Finger-)Flecken; im ganzen wohlerhalten.
[Bookseller: Antiquariat Inlibris, Gilhofer Nfg. GmbH]
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