STÖR, THOMAS.
Von dem Cristlichen Weingarten,. wie den die geystlichen hymel Böck, durch jre erdichte triegerey und menschen fünd, verwüstet und zu nicht gemacht haben, auch wie der selbig durch verkündung hailsamer Evangelischer leer, widerumb fruchtbar zumachen sey. O.O., Dr. u. J.
(Augsburg, H. Steiner, ). 1524 Kl.-4to. 24 Bl. Mit großem, fast ganzseitigen Titelholzschnitt nach S. Beham. Neue Kart. (etwas fingerfleckig, einige Bl. mit schmaler Nässespur im Außenrand, die ersten 4 Bl. mit kl. Randläsuren). (WR 02-145) Umfangreichste Schrift dieses evangelischen Laien. Um den verwüsteten Weingarten des Herrn wieder fruchtbar zu machen, müssen die ungelehrten und geistlosen Prediger und Pfarrherren eines ungottseligen pharisäischen Wandels vom Predigtamt entfernt werden. An ihrer Stelle sind den Gemeinden "menner aines christlichen lebens, und hailsamer leer (zu) verordnen". Entsprechend enthält die Schrift im ersten Teil eine massive Kritik am alten Klerus, den "bösen Gärtnern" und "geistlichen Böcken", die den Weinberg als ihre Pfründe missbraucht haben. Interessant ist der zweite Teil, in dem der Verfasser in Anlehnung an das Urchristentum ein demokratisches Gemeindebild entwirft: Wahl des neuen Seelsorgers aus der Gemeindemitte heraus. Wichtig dabei ist nicht, dass er ein studierter Mann sei. Obwohl gute Schriftkenntnis zur Auseinandersetzung mit den Altgläubigen nötig sei, komme es doch vor allem auf den christlichen Lebenswandel an. Möglicherweise gehörte der Verfasser zum linken, spiritualistischen Flügel der Reformation. Der Titelholzschnitt zeigt Jesus und Paulus in einem Weingarten, der von Böcken geplündert wird.- Einer von drei Drucken desselben Jahres.- Hayn/Got. VII, 446: "Sämmtlich Raritäten!"; Kuczynski 2571; VD 16 S 9214.
[Bookseller: Hamburger Antiquariat Keip GmbH]
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