Biblia, niederdeutsch (niedersächsisch unde). (GW 4307, Schramm 8, 439). Blatt aus dem Alten Testament: Paralipomenon (1. Chronik 11)
Köln, Bartholomäus von Unckel; Heinrich Quentell, um 1478. Type 1.. Zweispaltiges Original-Inkunabelblatt auf festem Papier mit 3-zeiliger roter Lombarde, rotverzierten Versalbuchstaben und einer roten Rubrik. Holzschnitt - Fehldruck (19,2 x 11,7cm), Blatt im Rand wenig fingerfleckig. Blattgröße: 26,2 x 37,8 cm. Incunabula text woodcut leaf.. Der Holzschnitt ist im Bereich des Davidkopfes, Säbels und der Helebarde, auf Grund überschüssiger Leimung des Blattes bei seiner Herstellung, nur schwach abgedruckt. Im Bereich des Krummsäbels wurde das Wort "eleazari" von alter Hand handschriftlichen ergänzt. Der Holzschnitt wurde für die Textstelle "Nach ihm kam Eleasar, der Sohn Dodos, der Achochiter. Auch er gehörte zu den drei Helden. Er war bei David in Pas-Dammim, wo die Philister sich zum Kampfe gesammelt hatten. Dort war ein Stück Feld voll Gerste. Als das Volk vor den Philistern floh, stellten sie sich mitten auf das Stück, hielten es ihnen und schlugen die Philister. So bereitete Jahwe einen großen Sieg" (1 Chronik 11, 12-14) geschnitten. Die zwei gleichzeitig entstandenen Kölner Bibeln bilden den Beginn des niederdeutschen Bibeldrucks. Die Bibeln wurden für Johann Helmann und Arnold Salmoster in Köln und Anton Koberger in Nürnberg gedruckt. Die Tatsache, daß ein so aufwendiges Unternehmen in zwei sprachlich unterschiedlichen Fassungen gedruckt wurde, zeigt, daß die Herausgeber auf den gesamten niederdeutschen Sprachraum als Absatzgebiet zielten. Während die niedersächsische Fassung mit dem Bindewort "unde" für den niederdeutschen Raum östlich von Münster hergestellt wurde, zielte die niederrheinische Version mit dem Bindewort "ende" auf das westliche Westfalen sowie den niederrheinischen Raum. (Becker; Overgaauw: Aderlass und Seelentrost 2003, 203) Die Kölner Bibel in der niedersächsischen Fassung, mit dem Bindewort "unde", ist wesentlich seltener, als jene mit dem Bindewort "ende". Anton Koberger aus Nürnberg erwarb das Recht auf die Holzschnitte und druckte dann fünf Jahre später, 1483 "seine" 9. deutsche Bibel mit 109 Holzschnitten aus der Kölner Bibel. Der Holzschnitt liegt somit hier in seinem Erstdruck vor! Er ist in Köln entstanden und geht auf eine illustrierte Bibelhandschrift zurück, nach der, ein wohl in Frankreich geschulter Formschneider, ihn gefertigt hat (Rudollf Kautz, 1896). Unter den illustrierten Bibeln der Frühzeit bilden die Kölner Bibeln den ersten glanzvollen Höhepunkt. Der Holzschnitt dieser frühen und seltenen Bibelausgabe hat eine überragende Bedeutung für die weitere Entwicklung der bildlichen Gestaltung von Bibeln bis weit in die Reformationszeit hinein. (Eichenberger; Wendland, Deutsche Bibeln vor Luther, 1977, 66ff.). Heinrich Quentell stammte aus Strassburg und Unckel aus dem Dorf Unkel bei Bonn. Ein detailliertes Bild des Holzschnittes wird gerne auf Wunsch per email zugesandt.
[Bookseller: Versandantiquariat Christine Laist]
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